Freitag, 26. Oktober 2012

endlich, Bilder!

Endlich wieder visuelle Reize auf dieser langweiligen verkopften Webseite...Es wird Zeit.

What to do in Santa Cruz:
Cool thing to do in Santa Cruz #1 Aussicht vom suedlichen Zipfel des Campus' ueber das versteckte Santa Cruz. Die Berge am Horizont liegen auf der anderen Seite des Monterey Bay. Nach rechts (Westen) eroeffnet sich der Ozean. Das ist der Radweg, den ich nehme wenn ich von der Uni nach Hause duese. Zur Orientierung: https://maps.google.com/maps?oe=utf-8&client=firefox-a&q=237+darwin+street&ie=UTF-8&hq=&hnear=0x808e6aa7b410215d:0x392c126225b01597,237+Darwin+St,+Santa+Cruz,+CA+95062&gl=us&ei=hEeHUPXCJIjTigKLioGQBw&ved=0CB8Q8gEwAA    

Cool thing to do in Santa Cruz #2 Santa Cruz verlassen.....Impression Golden Gate Park- Hardly Strictly Bluegrass Festival
Cool thing to do in Santa Cruz #3: Exploring weird shit in the forest....BuddahIgluWeedTempel
Cool thing to do in Santa Cruz #4 mhh tja, Sonnenuntergang.
Cool thing to do in santa Cruz #5: Dinner bei Freunden. Thorbjorn und Elise wohnen in einem Haus, dass ich liebevoll Disneycastel nenne. Es ist eine Strandvilla mit 5 Kaminen, 2 Hottubs, Basketballfeld im Garten und Billardzimmer, das in der Nebensaison an eine ganze Horde Studierende vermietet wird. Im Fruehjahr ziehen alle aus, im Herbst ziehen alle wieder ein.


Cool thing to do in Santa Cruz #6 Feste und Gebraeuche: Kuerbiskuchen! Mein Freudn Eugene ist Kanadier und veranstaltete eine Festivitaet anlaesslich des Canadian Thanksgiving. Gleiches Prinzip, nur einen Monat frueher. Geferiert wird irgendwas mit Essen und Indianer besiegen.



Cool thing to do in Santa Cruz #7: climb a tree

Cool thing to do in Santa Cruz #8: das "Nachleben" auschecken (sorry, die Anfuehrungszeichen konnte ich mir nicht verkneifen. Hier im "Red Room". Der Name der Bar kommt daher, dass das Licht.....nunja.

Cool thing to do in Santa Cruz # aeehhh 9? Melk-skills auschecken. Hier mir meinem Kumpel Austin beim Erntefest auf einem historischen Erlebnisbauernhof.

#9.2: Und hier Austin beim Verkosten von 63 verschiedenen Apfelsorten....

cooler Baum, hier nicht extra gelistet, faellt unter #7




Cool things to do in Santa Cruz #10: Kuerbiserlebniswunderland entlang Highway 1. Aus irgendeinem Grund hat dieser Hof das antike Griechenland zum Motto gewaehlt. Hinter meiner bezaubernden Freundin Naomi seht ihr einen Minotaurus im Kuerbisbeet und dahinter die aus Strohballen nachgebaute Akropolis. Dort Halt gemacht bei unserem Tagenausflug nach SF.
Und es geht alles sehr geordnet zu. Die freundliche Pumpkin Hostess hinter dem Schalter steht fuer Pumpkinfragen jeglicher Art zur Verfuegung um einen reibungslosen und stressfreien Pumpkineinkauf zu gewaehrleisten.
Wir hatten grosses Glueck, dass die Kuerbisse auf dem Gelaende augeschildert waren, sonst waeren sie wahrlich schwer zu finden gewesen. Nicolas ueberlegt, in welcher Richtung wohl mit Kuerbissen zu rechnen ist.



Die liebliche Tagensausflugfamilie: Nicolas, me, Nils, Naomi. Wir haben unterwegs gemerkt, dass wir den Friedensnobelpreis schon auch annehmen. Wir sind ein Franzose, zwei Deutsche und eine Britin in Amerika.
Cool thing to do in Santa Cruz #11: Essen

bis bald!!

Sonntag, 14. Oktober 2012

Nachdem ich ungefaehr zwei Wochen lang ueber die Uni und ueber dieses Land gemoppert habe, ists jetzt auch langsam gut. Tatsaechlich habe ich einigermassen den Dreh raus, wie mit diesem einfach nur kopfschuetteligen Workload umzugehen ist (Montag bis Freitag Vormittags bis Abends in der Bibliothek vergraben, da sind immerhin immer Leute, die ich kenne und mit denen ich bei Kaffeepausen auch mal ein Sozialleben haben kann. Und ich besuche einen Senior Kurs, der einfach klasse ist.
 Darueber hinaus hatte ich bis jetzt fantastische Wochenenden. Es ist immer irgendwas los womit man die Zeit versuessen kann, die man schlechten Gewissens vom Schreibtisch abgekratzt bekommt und die "coolest Kids on the block" erweisen sich ihres Namens wuerdig. Die ueblichen Verdaechtigen, die immer am Start sind sich allesamt oberklasse. Entweder wir treffen uns zu einem come-together bei jemandem zu Hause, treffen uns in einer Bar downtown, zum Volleyball am Strand, zu Hauskonzerte oder Entdeckungstouren. Letzte Woche war ich kurzfristig mit einem Bekannten und dessen Mitbewohner nach San Francisco hochgefahren, um die letzten Stunden des "hardly strictly bluegrass festivals" einzufangen, das jedes Jahr mit fuenf Buehnen umsonst und draussen stattfindet. Wir sind Highway 1 gefahren und dieser Abschnitt zwischen Santa Cruz und SanFran wird oefters unter den schoensten Strassen der Welt gelistet. Fast die ganze Zeit faehrt man unmittelbar an der Kuste entland, immer abwechselnd Straende an denen sich Surfer tummeln und dann wieder Steilklippen. Auf dem Weg lagen bestimmt 10 Bauernhoefe, die jetzt im Herbst kurz vor Halloween Kuerbisse verkaufen. Stellt euch ein Kuerbis-Disneyland vor... Die Feldfruechte liegen sind nicht einfach nur aufgehaeuft oder so; sie sind arrangiert zu Wegen und Labyrinthen, es gibt rieisge Parkplaetze wo all die Kuerbiskunden Familien parken koennen, es gibt Huepfburgen [sic!] und Erfrischungen. Ich war mir ja bewusst, dass Halloween ne grosse Sache hier ist, aber das Kuerbis Kauf so ein Event darstellt, das war mir dann doch neu. 
Auf dem Festival trafen wir neben halb Santa Cruz einen Haufen ausgefallener Menschen, viele Banjos und Geigen, eine Patty Smith, die schon alt war, als die Haelfte des gegenwaertigen Publikums noch nicht mal geboren war, und eine Gruppe namens 'The Civil Wars", die man ungefaehr als "Silbermond" in der Western Version beschreiben koennte. Danach assen wir Nudelsuppe und kehrten beglueckt zurueck nach Hause. 
Gestern war Konzertreihe beim Campus Trailerpark. So. Aber hallo: Der Trailerpark ist einfach nur S-A-U-C-O-O-L! Mitten im Wald, einige hundert Meter noerdlich des noerdlichsten Uni Gebaeudes, da wo Campus in eigentlich wilden Wald uebergeht, gibt es die Wohnwagensiedlung der UCSC. Dort parken etwa 30 Wohnwagen/Bauwagen/Trailer, in denen Studierende residieren. Stellt euch vor: Dauercamper nur in Hippie. Uebrall haengen Batikgardienen, auf kleinen Terassen vor den Wagen stehen Sofas und Blumentoepfe, ueberall in den Bueschen und Baeumen haengt/steht/liegt abgefahrenes Kunstzeugs und diejenigen, die ihrem kleinen Vorgarten ein bisschen Gemuese abtrotzen, haben einen megahohen Zaun darum gebastelt, damit die Rehe nicht an die Tomaten gehen. Die Bands spielten in einer Ecke, wo der Weg ein bisschen breiter war und sich zu sowas wie einem Dorfplatz oeffnet. Es waren ausnahmslos Studierende dort, bis auf einen tanzenden zahnlosen alten Mann mit einem langen weissen Bart, der in einer Umbaupause ans Mikrophon trat um ein Gedicht vorzutragen. Typen wie er heissen Woodsy. Es gibt wohl mehrere Menschen hier, die einfach alleine in den umliegenden Waeldern wohnen, seltenst allerdings in Haeusern. Jemand hat mir das so erklaert "yeah they live in the forest, I guess he heard the music and came down to dance a little..." Waldschrat.
Um ein bisschen Bewegung zu kriegen und endlich mal annaehernd die Ausmasse des Campus' zu begreifen, bin ich schliesslich heute losgezogen mit einer Bekannten, um die geheimen Pfade und Schluchten der Uni zu erkunden. Wir fanden neben einem dichten Gewirr von Mountain Bike Pfaden: Ein Iglu aus Aesten, geschmueckt mit allerlei Krimskrams wie Windspiele, Buddahfiguren, Plastiktiere, bunte kreuz und quer gespannte Faeden, Traumfaenger, Fahrradteile. Auf einer Baumstammbank im Inneren liegt eine Plastiktuete mit einem Gaestebuch und eine verschliessbare Plastikdose mit Papers, die verkuendet, dass man hier allerherzlich willkommen ist high zu werden. Ein paar Ecken weiter ist eine kleine Tanne als Weihnachtsbaum hergerichtet und wieder woanders gibt es einen Baum, der behaengt ist mit Zetteln, auf denen Leute ihre Wuensche aufgeschrieben haben. Mitten im Wald. Schilder wie bei einem Naturlehrpfad machen dann und wann auf den groesseren Wegen auf besondere Sachen aufmerksam. "Dies ist ein besonders grosser Baum." oder "Diese Lichtung haben die Indianer der Gegend bestaendig durch Brandrodung aufrechterhalten, um hier jagen zu koennen." "Diese Pflanze gehoert nicht hierher, sie waechst eigentlich in Afrika und wahrscheinlich hat jemand seine Zimmerpflanze vor 20 Jahren hier augewildert." Der Wald steckt voller Ueberraschungen. Santa Cruz ist eine Kleinstadt, aber es funktioniert definitv nicht wie eine Kleinstadt.












Freitag, 5. Oktober 2012

Es ist sieben Minuten nach Mitternacht...und ich komme gerade vom Tanzen. Zu Hause wuerde ich um diese Zeit gerade erst ueberlegen, was ich denn anziehen soll, hier aber ist der Abend schon fast wieder vorbei. Ab 02:00 darf in Santa Cruz kein Laden und auch keine Bar mehr Alkohol verkaufen, und dementsprechend wird das "Blue Lagoon" auch in zwei Stunden schon wieder zumachen. Das ist ein bisschen bizarr, aber eigentlich auch ganz gesund, weil ich ausgehen kann, ohne meinen Schlafrythmus komplett ueber Bord zu schmeissen. Der Name Blue Lagoon verraet auch schon alles. Es ist eine Cocktailbar mit Tanzflaeche direkt neben dem Busbahnhof mit deutlich zu vielen Happy Hour-Spezial-Super-Longdrink-Cocktail-Angeboten um noch als niveauvolle Location durchzugehen. Es war klasse, ein ganzer Haufen Leute, die ich kannte waren dort, hauptsaechlich international students, aber auch ein paar meiner amerikanischen Bekannten. Das theme des Abends war 80er und auf den Fernsehern (alle Gastronomiebetriebe haben mindestens einen Flachbildfernseher von der Decke haengen, auf denen in der Regel Football gezeigt wird) liefen Musikvideos von Songs, die ich tausend mal gehoert habe, aber von denen ich noch nie das Video gesehen hab (weil diese zu einer Zeit im Fernsehen gespielt wurden, als ich noch ne Packung Quark im Schaufenster war) Coolcoolcool.Aber das ist eigentlich nicht, was ich erzaehlen wollte. Ich bin bestimmt schon in einigen Clubs gewesen, wo mitunter heftigst in den fruehen Morgenstunden gebaggert  wird. Aber so ein Sandwiching wie dort hab ich noch nicht erlebt. Holla die Waldfee, alter Verwalter. Absolut einvernehmlich, keine Frage. Und sobald man Jungs mit in der Gruppe hat bleibt man komplett unbehelligt. Aber mir ist die Aesthetik des so-tun-als-haette-man-Sex-Tanzes nicht ganz klar. Kurios.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Laptop ist da. Endlich. Studieren und Freundschaften schliessen/aufrechterhalten ist wirklich kein Zuckerschlecken ohne heimischen Internetzugang. Aber jetzt ist es endlich so weit, mein Tor zur Welt hat sich wieder geoeffnet und ich kann von meiner ersten Woche Uni berichten. Sie war relativ verwirrt muss ich sagen. Nein, dass ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Sagen wir ich bin schonmal vorsorglich ueberfordert- aufgrund des workloads, der mich erwartet.
Die Woche begann mit einer Infoveranstaltung des international office, bei der alle moeglichen Eventualitaeten zum Thema Visum geklaert wurden. Hilfreich waere eigentlich eine Einfuehrung gewesen, wie diese Uni funktioniert....Stattdessen gab es die Vorlesung "Understanding US culture", bei der wir lernten, was Amerikaner_innen fuer Werte haben, wie z.B. Puenktlichkeit, oder der Glaube daran seines eigenen Glueckes Schmied zu sein, oder die Betonung von Gleichheit aller Menschen.....Dann lernten wir noch, dass Amerikaner_innen Deo benuzten und dass in jedem Stereotyp immer auch ein Funken Wahrheit steckt.  Die gute Frau, die den Vortrag hielt, gab zuerst eine Eisbergwarnung vor Stereotypen und Generalisierungen, um dann unter Volldampf genau darauf zuzusteuern, dagegen zu knallen....alle Passagiere ertrunken.  Awkward (was fuer ein gutes Wort, fuer eine befremdlich/unangenehm/komische Situation. Wenn jemand ein deutsches Wort hat, dass all das ausdrueckt, dann teile er/sie es mir mit, ich habe bisher keines gefunden)
 Ausserdem fand der sogenannte "visa Check-in" statt, der noetig war um mein Studierendenvisum quasi zu aktivieren. Die USA fahren seit 9/11 eine Einwanderungspolitik, die meiner Ansicht nach eher paranoid als wirksam ist. Als Exchangestudent werde ich bei der Bewerbung um das Visum online seitenweise ausgefragt ob ich einer terroristischen Organisation angehoere, ob ich eine solche finanziell unterstuetzen wuerde, ob ich jemals Voelkermord begangen habe etc. Da frage ich mich: erwarten sie, dass ein echter Terrorist ueberall ein Haekchen bei "ja" macht? Muessen die sowas aus Versicherungsgruenden fragen, falls hinterher jemand ankommt und die Visaabteilung fragt, warum sie den/die reingelassen haben und damit die Visabteilung sagen kann "guck hier, wir hams gefragt und die ham angekreuzt, dass se nix boeses machen, das konnten wir ja nich wissen..." Oder geht es vielleicht um die Stimmung, die damit erzeugt wird? Soll mir das Gefuehl vermittelt werden, dass mir jemand ueber die Schulter schaut und aufpasst, dass ich mich benehme? Sollen sich die Amerikaner_innen jetzt sicherer fuehlen als vorher, weil es (immerhin irgendwelche) Massnahmen gibt?
Meine biometrischen Daten wurden sowohl bei der Botschaft (die an sich schon ein Hochsicherheitstrackt ist) als auch bei der Ankunft am Flughafen genommen. Ausserdem gibt es seit 9/11 das SEVIS system, in dem meine Unirecords gespeichert werden, als auch meine jeweils aktuelle Adesse. Visa Check-in dient also allein der Registrierung, dass ich das Studium antrete, Vollzeit dort eingeschrieben bin und studiere statt Bomben zu basten. Hoffentlich liesst die Regierung nicht meinen Blog, sonst werde ich noch schwuppdiwupp ausgewiesen bei so vielen verdaechtigen keywords. Und vielleicht sind diese Bedingungen doch dazu geeignet jemanden vom Bombenbasteln abzuhalten, weil man in diesem System gar keine Zeit dazu finden wuerde:
Vollzeit eingeschrieben bedeutet hier 15 Punkte an Kursen zu machen, das entspricht in der Regel drei Kursen, die jeweils etwa 3 Stunden Anwesenheit in der Woche erforderd, entweder als Block, oder auf  mehrer Sitzungen aufgeteilt. Das Quartal geht bis Mitte Dezember. Klingt erstmal nicht viel, aber ein Prof hat es mal so vorgerechnet: 1Creditpoint entspricht 3 Stunden Vorbereitung pro Woche. Bei einem Seminar von 5 Creditpoints bedeutet dass 15 Stunden Vorbereitungszeit. Bei einer durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit von 3 Minuten pro Seite wissenschaftlicher Literatur (ich bin bestimmt langsamer...) bedeutet das 150-200 Seiten pro Seminar pro Woche plus Excerpte, Fragen an den Text, Abstracts. Das Quartal geht gerade mal 10 Wochen und in dieser Zeit gibt es eine Zwischenpruefung, in der Regel noch ein bis zwei Essays oder critical response papers und eine Abschlusspruefung. Es ist einfach nur der Wahnsinn, was fuer ein Pensum hier gefordert wird. Zu Hause erwarte ich vielleicht 40 Seiten Text, ein lumpiges Referat und eine Hausarbeit. Gleichzeitig hab ich den Eindruck, dass hier qualitativ nicht viel erwartet wird, dass die Diskussion in der Sitzung eher nicht so besonders anspruchsvoll ist und stattdessen eher aus so einem Frage-Antwort Spiel und aus Beispiele finden besteht. Ich hatte mir ein paar Kurse anschauen wollen, bevor ich mich entscheide und bei den Kursen, die ich jetzt wahrscheinlich belege komme ich ganz guenstig davon: So gut wie alle Kurse verlangen dass die Studierenden neben den Texten, die online als pdfs zur Verfuegung stehen, auch noch Buecher kaufen. Ein Prof verlangte eine Literaturliste mit vier Werken! Und wissenschaftliche Literatur ist kein Groschenroman...fuer das eine Buch um das ich nicht herumkam, ein schmaechtiges (aber sehr hilfreiches) Buch hab ich fast 50$ hingeblaettert und andere Studierende kamen mit ganzen Stapeln von Buechern aus dem Laden!
So, jetzt wisst ihr wie fleissig ich hier bin...Nix Beachbabe und so :)
 Fuer einen Kurs habe ich jetzt ein Buch gelesen, dass zwar um ein anderes Thema geht, aber irgendwie einiges fuer mich erklaert. Amerika wird darin als post-sozialer Staat beschrieben (wobei fraglich ist, wann Amerika jemals ein ordentlicher Sozialstaat war, aber anyway...) In so einem Staat wird der Erwerb des Lebensunterhaltes, die Aufrechterhaltung der persoenlichen Sicherheit und der eigenen Gesundheit zur alleinigen  Aufgabe des Individuums. Der freie Markt bietet alles, was dazu noetig ist fuer diejenigen, die es sich leisten koennen. Und alle, die in diesem neoliberalen System durchfallen und es nicht gebacken kriegen fuer sich selbst zu sorgen...tja, die haben Pech gehabt. Das erklaert, warum sich einerseits die Arbeitslosenzahlen immer relativ schnell erholen und warum es andererseits so viele Obdachlose gibt.
Und das hat natuerlich auch Auswirkungen fuer ein Bildungssystem. Die UC ist eine staatliche Universitaet, die allerdings nur zu einem relativ geringen Prozentsatz vom Staat finanziert werden, sagen wir etwa 30%. Der Rest kommt von den Studiengebuehren und von privaten Investoren. Sobald die aber im Boot sind, bedeutet dass auch, dass Wissenschaft u.U. nur finanziert wird, wenn sie 'sinnvoll' ist, oder 'rentabel'. Was wird also aus dem Eigenwert von Bildung? Ich studiere momentan ein Fach, bei dem die Aussichten mal reich und beruehmt zu werden realtiv gering sind. Gleichzeitig waere das Schlimmste, was mir nach Beendigung meines Studiums passieren kann mit 600Euro Hartz IV  auskommen zu muessen und meinen Eltern erklaeren zu muessen, dass sie mir umsonst fuer 3 jahre ein brotloses Studium finanziert haben. Und dann wuerde ich vielleicht was ganz anderes anfangen. Das Schlimmste, was amerikanischen Uniabsolventen passieren kann waere mit einem 5-6 stelligen Schuldenberg dazustehen und schliesslich nach zwei Jahren auf der Strasse zu stehen, wenn Welfare unerbittlich auslaeuft. Das setzt Menschen unter ganz anderen Druck und schlaegt sich auch in der Struktur des Studiums nieder.

Ich bin bislang schon fuer zwei Kurse sicher eingeschrieben. Sie klingen erstmal sehr aehnlich, haben aber jeweils einen anderen Schwerpunkt und ergaenzen sich ganz sinnvoll: Einmal ein Kurs, der um Transnationale Migration und die damit verbundenen Geschlechterkonstellationen geht, und dann noch einer, der gewaltkritisch die Gesundheitversorgung in Migrantcommunities untersucht. Bei einer Vorstellungsrunde wurden wir gebeten unseren Namen zu nennen und eine Sache die wir aktiv machen, um unsere Gesundheit zu pflegen. Ich haette nicht erwartet, dass (mehrer)  Menschen von allen moeglichen gesunden Sachen "ich verzichte auf Cola/Softdrinks" nennen wuerden. Oh halt, ich vergass, ich bin ja in Amerika.


 Genug Gesellschaftskritik. Ich klinge als waere ich in ein Alptraumland gezogen. Dem ist nicht so.
Eine unglaublich schoene Eigenart: Menschen sind freundlich! Fremde Menschen schauen dir in die Augen und gruessen dich auf der Strasse. Kassiere_innen im Supermarkt schaufeln nicht muerrisch deinen Einkauf auf die viel zu kleine Abstellflaeche um dann vorwurfsvoll zu warten dass du bezahlst und endlich deinen Scheiss wegraeumst, sondern fragen, wie dein Tag war, um dann alle Sachen fur dich in Tueten zu verpacken! Menschen bedanken sich beim Busfahrer_innen, wenn sie aussteigen und rutschen bereitwillig nach hinten durch, wenn der Bus voll ist. Das ist schoen, das tut gut.
Ausserdem beschehrt uns der Indian Summer in den letzten Tagen hochsommerliche Temperaturen. Und der Strand lockt.
 Jeden Tag duese ich mit meinem schmucken Rad runter zum Busbahnhof. Das ist die erste Haltestelle, was bedeutet, dass der Bus auf dem Fahrradgepaecktraeger, der vorne bei allen Linienbussen angebracht ist, noch Platz hat. Campus liegt wie gesagt oben auf dem Berg und nur komplett Bekloppte fahren mit dem Rad die ganze Strecke hoch. Aber runter.....huiuiiiiiiiiii es geht fast die ganze Strecke bis in die Stadt steil bergab, erst kurve ich von meinen Klassenraeumen durch den Wald ueber kleine Bruecken, durch dichte Redwoods und an grasenden Rehen vorbei, bis der Radweg uebers offene Feld mit dem trockenen Grass beginnt, dank dem California auch als "golden state" bekannt ist. Von dort aus kann man ganz Santa Cruz ueberblicken und an klaren Tagen den ganzen Monterey Bay. Von der Kueste von Santa Cruz schaut man eigentlich auf die gegenueberliegende Kueste des Bays, aber meistens ist es so diesig, dass es sich anfuehlt, als wuerde man direkt auf den offenen Ozean schauen. Fotos folgen

Ich kenne inzwischen auch schon einen ganzen Haufen Menschen hier, hauptsaechlich aus der international Crowd (bei Facebook gut organisiert als "the coolest kids on the block"). Letzten Freitag
wollten wir uns treffen ("wir" ist ein loses Ding aus Menschhen, die beim Welcome BBQ waren und danach noch in ne Kneipe weitergezogen sind plus Menschen, die die Kneipenmenschen kannten)
Und da eine lose Gruppe von Menschen bekanntlich traege ist damit Entscheidungen zu treffen was man denn machen soll, hab ich kurzerhand zu mir eingeladen. 15 Menschen und ein ganzer Haufen Alkohol fand sich auf meinem Fussboden ein: Aus Deutschland, Daenemark, Schweden, England, Frankreich, Amerika, Canada, Thailand, Hongkong, Japan. Ich glaube das koennte so eine aehnliche Sternstunde sein wie die Penthouse Party in der ersten Berlin Woche. Bestes Kennenlernspiel, wenn alle schon einen hinter der Binde haben: Namen, Ort, zwei aussergewoehnliche Facts ueber sich. Unglaublich komisch. Billies Mum wohnte mal mit Mr. Bean zusammen, Alto wurde mal verhaftet, als er nachts in einem Parkhaus einen Film fuer die Uni drehen wollte, und Nikolas hat Angst vor Vogelstraussen ("ein Vogel mit Glatze, that freaks me out...")

Ausserdem cool: Hab endlich geschnallt, was ich machen muss, damit das Leitungswasser nicht mehr so swimmingpoolig schmeckt. Zitronenscheibe...hahaaaa