Froehliche Weihnachten nachtraglich euch allen!! Hoffe ihr hattet geruhsame und schmackhafte Feiertage mit lieben Menschen. Danke allen Lieben Menschen fuer die Nachrichten/Karten/Geschenke/Skypetreffen!!! Mein Weihnachten war geruhsam, war bei Freunden eingeladen (die in der Strandvilla wohnen) und es gab unglaublich viel gutes Essen, famose Gesellschaft und sogar eine Runde Tanz um den Weihnachtsbaum. Gerade komme ich zurueck vom Kino und ich kann allen den neuen Tarantino Film "Django Unchained" nur waermstens ans Herz legen. Der Mann ist verrueckt und brilliant und wer Inglorious Bastards gut fand, dem wird auch dieser Film bestimmt gefallen.
Das erste der drei Quarter ist jetzt schon um. Das war... intensiv. Waehrend der Pruefungswoche und den Tagen davor war die Bibliothek jeden Tag bis drei Uhr nachts geoeffnet und alle waren am durchdrehen und kollabieren. So schlimm wars bei mir nicht, aber Finals week hat mich mit insgesamt fast 40 Seiten Aufsaetzen und Essays ganz gut in Atem gehalten. In Berlin habe ich oft zwei Monate Zeit um an einer 10 seitigen Hausarbeit zu tuefteln und zu feilen. Das erlaubt auf der einen Seite eine ganz andere Intensivitaet der Inhalte, auf der anderen Seite ermoeglicht es auch, dass sich eine Hausarbeit wie ein Ungetuem ansammelt, ich nicht den Anfang finde zu schreiben, es mir im Nacken sitzt wie ein fieser Schatten. Hier muss das Ding in ein paar Tagen fertig sein und so schreibe ich einfach. Schreibhemmungen kann sich hier keiner erlauben, Abgabefristen sind strikt und nicht mal atomare Katastrophen, Amputationen oder Todesfall saemtlicher Familienmitglieder wuerde als Ausrede fuer eine Fristverlaengerung oder verspaetete Abgabe gelten gelassen. Aber dann wars vorbei und ein tutiefst erleichtertes Aufatmen ging durch Santa Cruz' Studierendenschaft.
And we hit the road!
7 Europaer_innen, ein Auto, 2000 Meilen, 3 MP3 Cd's voll Musik, 9Tage.
dies war unsere Route:
http://goo.gl/maps/QXNfR
Nachdem wir das Highway Gewurschtel in der San Francisco Bay Area hinter uns gelassen haben, nehmen wir Highway 5. Die Strasse fuehrt durch die fruchtbare Ebene und ich sehe zum ersten mal wie dies und das waechst. Wir fahren an Reisfeldern vorbei, an Walnuss- und Haselnussplatagen, Artichoken- und Blaubeerfeldern. Im Norden von Kalifornien beginnen die Berge und am Mount Shasta treffen wir auf ersten Schnee. Bislang fiel es schwer unter Palmen und relativ milden Temperaturen in weihnachtliche Stimmung zu kommen, aber die Kaelte erinnert uns daran, dass eigentlich Dezember ist.
| v.l.n.r.: Nicolas, Lucie, Markus, Artur, Joel. der siebte im Bunde ist Nils, der zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme damit beschaeftigt war seinen Namen in den Schnee zu pinkeln. |
| Sonnenaufgang an unserem zweiten Morgen ueber dem Pool des Motels in Ashland, Oregon |
Waehrend der Reise schliefen wir entweder in Hostels oder Motels (und alle Motels sind wirklich haargenau so geschnitten, moebliert und so atmospherisch wie in saemtlichen Hollywoodstreifen angedeutet wird---it's real!)
| Nicolas beim Testen der Sprungtauglichkeit unserer Betten im Motel in Coos Bay. |
Unsere erste gute Tat in Oregon war beim naechstbesten Wallmart zu stoppen und uns mit Muetze/Schal/Handschuhen und langen Unterhosen auszustatten.
Beertasting ist zu einem unserer Roten Faeden dieses Trips geworden: In Nordkalifornien und ebenso in Oregon und Washington gibt es unzaehlige klitzekleine Brauerein, die im hauseigenen Pub ihr Bier ausschenken. In diesen "Microbreweries" kann man ind er Regel ein Probiertablett ("Sample Tray") bestellen, was aus kleinen Kostproben all der Biere besteht, die vom Fass angeboten werden. Insgesamt 8 Brauereien haben wir geschafft, haben Bier probiert, das nach Zimt und Muskatnuss schmeckt, nach Jaegermeister, Schokolade, Cherry, Blumen, Hustensaft oder Zitronen. Biere mit Namen wie - White Elephant, Brutal IPA, Mogul Madness, Yellow Snow oder Milk and Honey Ale.
Portland- laesst sich zusammenfassen als die Hauptstadt von oekologischer Nachhaltigkeit, Hausbrauereien, Rosenzucht, Stripclubs und Hipstern. Wir finden ein ueberschaubares Downtown vor, einen Fluss mit diversen Bruecken, die tollsten Vintage Laeden, die ich je betreten habe und den groessten unabhaengigen Buchladen der USA. Powell's Books nimmt drei Etagen und einen ganzen Haeuserblock in Anspruch und verteilt Lageplaene am Eingang, damit man nicht verloren geht. Da es fast ununterbrochen geschuettet hat, haben wir so einige Stunden da drin verbracht und uns in einer Stadt aus Buechern verlaufen.
| worst picnic ever |
Seattle empfaengt uns etwas freundlicher. Artur, der die Unterkunft fuer diese Etappe organisieren sollte, hatte die Beschreibung des Hostels nicht richtig gelesen, und so wohnten wir 20 Meilen ausserhalb un Flughafennaehe in einem Hostel, das in einem ganz normalen Haus in einer Wohngegend eingerichtet war. Das war sehr seltsam, denn das Haus wirkte nicht nur wie ein privates Familienheim, sondern war auch eins. Die Familie hatte im Grunde nur eine kleine Rezeption neben der Tuer eingerichtet, ein Bad fuer die Gaeste geraeumt und zwei Zimmer mit je 6 Hochbetten ausgestattet. Ueberall hingen Fotos von den Enkelkindern und ein geschmueckter Tannenbaum steht im Wohnzimmer, als letzte Bastion eines normalen Familienlebens in einem Haus, das sich diese Menschen mit einem dutzend staendig wechselnder Fremder teilt.
Downtown Seattle ist super interessant. Die Stadt liegt an einem Hang am Ufer des weiten Bays. In der Ferne glitzern die Schneebedeckten Berge wie eine Fototapete. Als die Stadt angelegt wurde um ein Saegewerk herum, war die steile Hanglage gerade richtig, weil die Baumstaemme nur den Huegel heruntergerollt werden mussten, heute wirkt die terrassenartige Situation seltsam, innerhalb eines Haeuserblocks macht der Anstieg manchmal mehrere Haeuseretagen aus. Weil die unteren Strassenblocks oefter ueberfluteten und das Abwasser aus der Kanalisation wieder zurueckgedrueckt wurde (iihh), beschloss man nach dem letzten grossen Feuer Ende 19. Jh einige Strassenzuege aufzuschuetten um etwa 3 oder 4 Meter. Das hatte zur Folge, dass die Strassenfront einiger alter Haeuser ploetzlich unterirdisch lagen und die Fenster der ersten Etage zum neuen Erdgeschoss wurden. Man legte Zugaenge und unterirdische Fussgaengerwege an, damit die alten Geschaefte weiterhin zugaenglich blieben. Ist das nicht verrueckt?
Downtown ist eine Patchworkdecke aus modernen Hochhaeusern, Parkhaeusern, alten Backsteinfabriken und Haeusern aus der Zeit der Goldgreaber. Downtown und die Uferpromenade wird getrennt von einer vielspurigen, zweigeschossigen Ungeheuer von einer Hochstrasse, die sich wie ein Betonwurm durch das halbwegs historische Viertel zieht. In den 70er Jahren hielt man das wohl fuer eine gute Idee so ein Ding in Erdbebenland zu bauen. In vielen Staedten sind Heerscharen solcher verknoteten Strassenbruecken, gebaut aus der Not heraus die Flut an Autos zu haendeln in Staedten, die zur Zeit ihrer Erbauung nicht ahnten, was fuer eine Blechlawiene auf sie zukommen wuerde. Und man muss sagen: es klappt. Autofahren in Amerika und selbst in den grossen Staedten ist so unglaublich einfach, schnell und stressfrei.
Die Stadt wurde hart getroffen von der Depression, erlebte aber einen jaehen Aufschwung, als Gold in Alaska gefunden wurde. Gluecksjaeger von ueberall her stoppten in Seattle um sich auszuruesten fuer die Reise in den Norden. Die wenigsten Goldgraeber wurden reich, die Haendler, die ihnen Lebensmittel, werkzeug und Ausruestung verkauften schon eher.
Unsere Route zurueck richtung Sueden erweist sich als gute Wahl. Statt des schnellen Highways inland tueddeln wir gemaechlich Highway 101 entlang, an Straenden und dramatischen Kuestenabschnitten vorbei,an Maerchenhaften Creeks entlang, durch Redwood National Park hindurch, durch die "Avenue of the Giants" mit seinen gigantischen alten Baeumen und durch verschlafene kleine Staedte, an denen sich das Leben entlang des Highways abspielt, bevor sich die Orte dahinter in suburban Haeusern verlieren. Hauptindustrie: Tourismus und Verkauf von Holzskulpturen entlang der Strasse. Verspuere den Drang auch mal etwas mit einer Kettensaege zu schnizten. Diese Strasse verdient es wahrlich als eine der schoensten Routen der Welt gelistet zu werden. Atemberaubend schoen.
