Montag, 11. Februar 2013

Message aus der Wueste

Ich moechte vorwarnen, dass mein Deutsch hier und da ein bisschen komisch klingt inzwischen, mal sehen, ob mir Englischer Satzbau und woertlich uebersetzte Redewendungen dazwischen rutschen werden.

Es ist ein Weilchen her. Verzeiht mir, aber es passiert hier halt auch nicht so viel, ueber das ich schreiben koennte. Die Uni hat mich voll im Griff, der Strand ist normal geworden und zum Reisen hab ich keine Zeit. Aber etwas ist passiert, von dem ich euch erzaehlen kann, das ganz spektakulaer und sehr amerikanisch ist. Letzten Freitag war ich aus, mit den Ladies, in der einzigen Bar die halbwegs nett ist. Die Musik ist laut und alle tanzen und trinken und lachen. Um 1 Uhr kriegen ich und Naomi und Jaqui hunger und wir beschliessen zu gehen, finden den ganzen Strassenabschnitt vor dem Club ueberfuellt mit Polizeiautos und mit Flatterband abgeriegelt. Eine Freundin kommt auf uns zu, die ein bisschen frueher abgehauen ist und sie erzaehlt, dass neben ihr jemand gerade erschossen wurde, sie hatte es fuer Sylvesterboeller gehalten. Eine Gestalt liegt auf dem Buergersteig mit einer Plane zugedeckt. Eine Meute von Menschen steht herum. Wir lamentieren warum denn noch kein Krankenwagen da ist, spaeter erst faellt uns ein, dass sie warscheinlich eh nicht mehr in Eile waren. War vielleicht ganz gut dass wir alle ein bisschen zu betrunken waren um das ganze Ausmass der Situation zu erfassen. Am naechsten Tag stand in der Zeitung, dass es sich um Drive-by shooting handelte. Der Typ wurde aus einem fahrenden Auto erschossen.  "Gang-related". Er war angeblich der Zwillingsbruder von jemandem der Stress mir einer Gang hatte. Es war eine Verwechselung. Das alles klingt wie eine superbillige Dailysoap, passiert aber wirklich in klein-Santa Cruz. 
Ich habe hier schon so viele Diskussionen ueber den amerikanischen Umgang mit Schusswaffen gehalten und habe die Ratio von einigen guten Freunden, mit denen ich doch sonst politisch und ethisch uebereinstimme, wirklich in Frage stellen wollen. Amerikaner koennen nicht ohne Gewehre. 
Meine Freundin Naomi kommt aus England und sie belegt ein Kunstgeschichte Seminar. In einem Bild war ein Gewehr abgebildet und die Dozentin hat die Studierenden gefragt, was sie wohl mit diesem Gegenstand in dem Gemaelde assoziieren. Naomi sofort: Gewalt! Ihre Amerikanischen Kommilitonen: Sicherheit, Schutz. Es ist ein unmoegliches Unterfangen Amerika davon zu ueberzeugen, dass es keinen Grund gaebe sich mit einer Waffe beschuetzen zu muessen, wenn nicht jeder Hinz und Kunz einfach so in einen  Laden gehen und eine Knarre kaufen koennte.
Ich schreibe ausserdem an einer Hausarbeit ueber Suizid. Fun fact about suicide: Die Wahrscheinlichkeit Suizid zu begehen ist dreimal groesser wenn man in einem Haushalt wohnt in dem eine Waffe zugaenglich ist. Der franzoesische Soziologe Bruno Latour nimmt die Pistole als Beispiel um auf die Wirkmacht von Gegenstaenden hinziweisen: Die Art wie dieser Gegenstand designt ist macht es so unglaublich leicht. It's so much easier to pull the trigger from a distance than to e.g. stab somebody, which requires being close to a victim, making a strong physical movement... Es ist so viel einfacher mit einer Schusswaffe, es kostet so viel weniger Ueberwindung und die meisten Toetungsfaelle mit Schusswaffen sind ohnehin Unfaelle oder Suizide. Wie kann bloss irgendwer behaupten das waere ein sinnvoller Schutz wenn jeder_r eine  Pistole im Haus hat...Ich kapier diesen Teil amerikanischer Mentalitaet nicht. Wirklich nicht. Meine Hausarbeit ist fuer ein Seminar mit dem Titel "dead persons". Ich schreibe ueber die Golden Gate Bridge in San Francisco, dem weltweit beliebtesten Ort um sich selbst zu toeten. Seit der Eroeffnung der Bruecke in 1937 haben sich ueber 1500 Menschen in den Tod gestuerzt, dennoch ist Golden Gate Bridge weltweit das einzige Bauwerk dieser Groesse und Beruehtheit, das keine baulichen Vorkehrunge gegen Suizid getroffen hat. Das Gelaender reicht gerade mal bis zur Brust, die Bruecke ist das ganze Jahr lang fuer Fussgaenger zugaenglich und ein Sturz ist zu 98% toedlich. Es ist ein bisschen wie mit den Schusswaffen: es ist zu einfach, zu zugaenglich, es ist zu leicht unuberlegt aus dem Impuls heraus zu handeln. Ich will den oeffentlichen Diskurs und die offiziellen Statements zu diesem Defizit analysieren und die Rethorik von Selbsttoetung. Ich habe alle Leute bereits vorgewarnt, dass ich in den naechsten Wochen viel ueber Suizid reden werde, aber dass das kein Grund zur Sorge ist, es ist nur fuer eine Hausarbeit :)
Anyway.
Also. Ich studiere wie bescheuert. Nach drei Wochen in denen ich keinen einzigen Tag nicht 5 bis 8 Stunden lesend und schreibend in der Bibliothek verbracht habe, bin ich zu dem Beschluss gekommen, dass das nicht so gesund ist. Es ist noch nichtmal Pruefungszeit und schon fuehle ich mich krank vom Sitzen und wackel nur noch hirntot nach Hause am Ende des Tages. Ich kriege den groessten Teil der Kurse hier nichtmal angerechnet zu Hause, das mache ich nur aus Interesse und Wuerde (was mehr als genug ist.) Ich brauche die Noten nicht. Beschluss gefasst: Take it easy. Naechstes Wochenende fahre ich mit Naomi nach San Francisco und dann suchen wir einen Club der nicht schon um 1 Uhr morgens dicht macht. Dieses Wochenende habe ich freigeschaufelt und habe den Wald oberhalb vom Campus erkundet mit ein paar Freunden. Es ist so unglaublich schoen dort mit den uralten Redwoods und sonnigen Lichtungen hier und dort. Die sind kuenstlich, Native Americans haben die seit Ewigkeiten mit Feuer freigehalten um Rehe zu jagen, die zu den Wiesen kommen um zu grasen.
Ansonsten fuehle ich mich sehr heimisch. Ich habe eine ganz famose Clique aus vier fabelhaften Menschen, mit denen ich so viel Zeit verbringe wie moeglich. Das ist irgendwie still und heimlich aus der Crew entstanden, mit der ich nach L.A. gefahren bin. Naomi, Nicolas, Lisa und Nils. Alles verdammte Europaer_innen, verdammt gut. Wir moegen aber auch Amerikaner_innen, so ist das ja nicht :)

Meine neue Nachbarin hat ein sehr aktives Sexleben. Dieses Phaenomen kommt zusammen mit einer Wand zwischen uns, die laecherlich duenn und hellhoerig ist.  Ihr habt keine Ahnung wie frustrierend und nervig das ist. Alter Verwalter...








Donnerstag, 27. Dezember 2012

Winter Roadtrip

Froehliche Weihnachten nachtraglich euch allen!! Hoffe ihr hattet geruhsame und schmackhafte Feiertage mit lieben Menschen. Danke allen Lieben Menschen fuer die Nachrichten/Karten/Geschenke/Skypetreffen!!! Mein Weihnachten war geruhsam, war bei Freunden eingeladen (die in der Strandvilla wohnen) und es gab unglaublich viel gutes Essen, famose Gesellschaft und sogar eine Runde Tanz um den Weihnachtsbaum. Gerade komme ich zurueck vom Kino und ich kann allen den neuen Tarantino Film "Django Unchained" nur waermstens ans Herz legen. Der Mann ist verrueckt und brilliant und wer Inglorious Bastards gut fand, dem wird auch dieser Film bestimmt gefallen.

Das erste der drei Quarter ist jetzt schon um. Das war... intensiv. Waehrend der Pruefungswoche und den Tagen davor war die Bibliothek jeden Tag bis drei Uhr nachts geoeffnet und alle waren am durchdrehen und kollabieren. So schlimm wars bei mir nicht, aber Finals week hat mich mit insgesamt fast 40 Seiten Aufsaetzen und Essays ganz gut in Atem gehalten. In Berlin habe ich oft zwei Monate Zeit um an einer 10 seitigen Hausarbeit zu tuefteln und zu feilen. Das erlaubt auf der einen Seite eine ganz andere Intensivitaet der Inhalte, auf der anderen Seite ermoeglicht es auch, dass sich eine Hausarbeit wie ein Ungetuem ansammelt, ich nicht den Anfang finde zu schreiben, es mir im Nacken sitzt wie ein fieser Schatten. Hier muss das Ding in ein paar Tagen fertig sein und so schreibe ich einfach. Schreibhemmungen kann sich hier keiner erlauben, Abgabefristen sind strikt und nicht mal atomare Katastrophen, Amputationen oder Todesfall saemtlicher Familienmitglieder wuerde als Ausrede fuer eine Fristverlaengerung oder verspaetete Abgabe gelten gelassen. Aber dann wars vorbei und ein tutiefst erleichtertes Aufatmen ging durch Santa Cruz' Studierendenschaft. 




And we hit the road!
7 Europaer_innen, ein Auto, 2000 Meilen, 3 MP3 Cd's voll Musik, 9Tage.
dies war unsere Route:
http://goo.gl/maps/QXNfR

Nachdem wir das Highway Gewurschtel in der San Francisco Bay Area hinter uns gelassen haben, nehmen wir Highway 5. Die Strasse fuehrt durch die fruchtbare Ebene und ich sehe zum ersten mal wie dies und das waechst. Wir fahren an Reisfeldern vorbei, an Walnuss- und Haselnussplatagen, Artichoken- und Blaubeerfeldern. Im Norden von Kalifornien beginnen die Berge und am Mount Shasta treffen wir auf ersten Schnee. Bislang fiel es schwer unter Palmen und relativ milden Temperaturen in weihnachtliche Stimmung zu kommen, aber die Kaelte erinnert uns daran, dass eigentlich Dezember ist.




v.l.n.r.: Nicolas, Lucie, Markus, Artur, Joel. der siebte im Bunde ist Nils, der zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme damit beschaeftigt war seinen Namen in den Schnee zu pinkeln.



Sonnenaufgang an unserem zweiten Morgen ueber dem Pool des Motels in Ashland, Oregon
Waehrend der Reise schliefen wir entweder in Hostels oder Motels (und alle Motels sind wirklich haargenau so geschnitten, moebliert und so atmospherisch wie in saemtlichen Hollywoodstreifen angedeutet wird---it's real!)
Nicolas beim Testen der Sprungtauglichkeit unserer Betten im Motel in Coos Bay.


Unsere erste gute Tat in Oregon war beim naechstbesten Wallmart zu stoppen und uns mit Muetze/Schal/Handschuhen und langen Unterhosen auszustatten.

Beertasting ist zu einem unserer Roten Faeden dieses Trips geworden: In Nordkalifornien und ebenso in Oregon und Washington gibt es unzaehlige klitzekleine Brauerein, die im hauseigenen Pub ihr Bier ausschenken. In diesen "Microbreweries" kann man ind er Regel ein Probiertablett ("Sample Tray") bestellen, was aus kleinen Kostproben all der Biere besteht, die vom Fass angeboten werden. Insgesamt 8 Brauereien haben wir geschafft, haben Bier probiert, das nach Zimt und Muskatnuss schmeckt, nach Jaegermeister, Schokolade, Cherry, Blumen, Hustensaft oder Zitronen. Biere mit Namen wie - White Elephant, Brutal IPA, Mogul Madness, Yellow Snow oder Milk and Honey Ale.

Portland- laesst sich zusammenfassen als die Hauptstadt von oekologischer Nachhaltigkeit, Hausbrauereien, Rosenzucht, Stripclubs und Hipstern. Wir finden ein ueberschaubares Downtown vor, einen Fluss mit diversen Bruecken, die tollsten Vintage Laeden, die ich je betreten habe und den groessten unabhaengigen Buchladen der USA. Powell's Books nimmt drei Etagen und einen ganzen Haeuserblock in Anspruch und verteilt Lageplaene am Eingang, damit man nicht verloren geht. Da es fast ununterbrochen geschuettet hat, haben wir so einige Stunden da drin verbracht und uns in einer Stadt aus Buechern verlaufen. 


Stimmung ist gut und erstaunlich easy und friedfertig angesichts der Herausforderung 7 Menschen gleichzeitig gleucklich zu machen. Das hatte ich mir schwieriger vorgestellt, aber es ging ueberraschend einfach uns alle unter einen Hut zu bringen. Nur der Regen zerrte etwas an den Nerven.










 



worst picnic ever


Seattle empfaengt uns etwas freundlicher. Artur, der die Unterkunft fuer diese Etappe organisieren sollte, hatte die Beschreibung des Hostels nicht richtig gelesen, und so wohnten wir 20 Meilen ausserhalb un Flughafennaehe in einem Hostel, das in einem ganz normalen Haus in einer Wohngegend eingerichtet war. Das war sehr seltsam, denn das Haus wirkte nicht nur wie ein privates Familienheim, sondern war auch eins. Die Familie hatte im Grunde nur eine kleine Rezeption neben der Tuer eingerichtet, ein Bad fuer die Gaeste geraeumt und zwei Zimmer mit je 6 Hochbetten ausgestattet. Ueberall hingen Fotos von den Enkelkindern und ein geschmueckter Tannenbaum steht im Wohnzimmer, als letzte Bastion eines normalen Familienlebens in einem Haus, das sich diese Menschen mit einem dutzend staendig wechselnder Fremder teilt.

Downtown Seattle ist super interessant. Die Stadt liegt an einem Hang am Ufer des weiten Bays. In der Ferne glitzern die Schneebedeckten Berge wie eine Fototapete. Als die Stadt angelegt wurde um ein Saegewerk herum, war die steile Hanglage gerade richtig, weil die Baumstaemme nur den Huegel heruntergerollt werden mussten, heute wirkt die terrassenartige Situation seltsam, innerhalb eines Haeuserblocks macht der Anstieg manchmal mehrere Haeuseretagen aus. Weil die unteren Strassenblocks oefter ueberfluteten und das Abwasser aus der Kanalisation wieder zurueckgedrueckt wurde (iihh), beschloss man nach dem letzten grossen Feuer Ende 19. Jh einige Strassenzuege aufzuschuetten um etwa 3 oder 4 Meter. Das hatte zur Folge, dass die Strassenfront einiger alter Haeuser ploetzlich unterirdisch lagen und die Fenster der ersten Etage zum neuen Erdgeschoss wurden. Man legte Zugaenge und unterirdische Fussgaengerwege an, damit die alten Geschaefte weiterhin zugaenglich blieben. Ist das nicht verrueckt?


Downtown ist eine Patchworkdecke aus modernen Hochhaeusern, Parkhaeusern, alten Backsteinfabriken und Haeusern aus der Zeit der Goldgreaber. Downtown und die Uferpromenade wird getrennt von einer vielspurigen, zweigeschossigen Ungeheuer von einer Hochstrasse, die sich wie ein Betonwurm durch das halbwegs historische Viertel zieht. In den 70er Jahren hielt man das wohl fuer eine gute Idee so ein Ding in Erdbebenland zu bauen. In vielen Staedten sind Heerscharen solcher verknoteten Strassenbruecken, gebaut aus der Not heraus die Flut an Autos zu haendeln in Staedten, die zur Zeit ihrer Erbauung nicht ahnten, was fuer eine Blechlawiene auf sie zukommen wuerde. Und man muss sagen: es klappt. Autofahren in Amerika und selbst in den grossen Staedten ist so unglaublich einfach, schnell und stressfrei.
Parken in Seattle. Dieser Parkautomat funktioniert so: Man guckt, welche Nummer die Parklucke hat und stopft dann genug Geldscheine fuer den entsprechenden Betrag in den Schlitz des Kaestchens mit der richtigen Nummer. Soooo 20th century...

eines der Wahrzeichen von Seattle und wie so viele Wahrzeichen ein Ueberbleibsel von einer Weltausstellung: The SpaceNeedle. Davor: EMP Museum fuer Musik und Popkultur, denn Seattle ist der Heimatort von Jimi Hendrix, Nirvana, Pearl Jam und vielen weiteren Rockgroessen.

 
Die Stadt wurde hart getroffen von der Depression, erlebte aber einen jaehen Aufschwung, als Gold in Alaska gefunden wurde. Gluecksjaeger von ueberall her stoppten in Seattle um sich auszuruesten fuer die Reise in den Norden. Die wenigsten Goldgraeber wurden reich, die Haendler, die ihnen Lebensmittel, werkzeug und Ausruestung verkauften schon eher. 

Unsere Route zurueck richtung Sueden erweist sich als gute Wahl. Statt des schnellen Highways inland tueddeln wir gemaechlich Highway 101 entlang, an Straenden und dramatischen Kuestenabschnitten vorbei,an Maerchenhaften Creeks entlang, durch Redwood National Park hindurch, durch die "Avenue of the Giants" mit seinen gigantischen alten Baeumen und durch verschlafene kleine Staedte, an denen sich das Leben entlang des Highways abspielt, bevor sich die Orte dahinter in suburban Haeusern verlieren. Hauptindustrie: Tourismus und Verkauf von Holzskulpturen entlang der Strasse. Verspuere den Drang auch mal etwas mit einer Kettensaege zu schnizten. Diese Strasse verdient es wahrlich als eine der schoensten Routen der Welt gelistet zu werden. Atemberaubend schoen.























Sonntag, 2. Dezember 2012



Ich war in Los Angeles. Stadt der Engel. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen es nicht zu moegen seit ich einen Text fuer die Uni gelesen hab, in der L.A. als Beispiel fuer die unendliche Stadt angefuehrt wurde und seit mein Flugzeug letzten Dezember gute 10 Minuten ueber der Stadt geflogen ist und die Lichter kein Ende nahmen. Aber sieh da, es war cool. Und von einem Aussichtspunkt in Hollywood aus auch gar nicht mal so unendlich. Jede Menge Namen und Adressen wurden da mit Kontext gefuellt. Malibu, Venice Beach, Hollywood Blv. Mit dem Walk of Fame, Beverly Hills, Santa Monica, Sunset Blv….Been there, done that. Die Orte sind die Spotlights auf der Karte, verbunden jeweils durch eine Reise in einer Metallkugel, die einen vom Rest der Stadt abschrimt. Ohne Auto geht in L.A. mal gar nichts. Mitten zwischen den Hochhaeusern im financial district wird der Buegersteig neben der dreispurigen Strasse langsam immer schmaler und finsterer, wird irgendwann zu einem fussbreiten Streifen und hoert dann ohne Warnung ganz auf. Hier laeuft man nicht. Carcity. Nils, Lisa, Naomi, Nicolas und ich hatten Freitag nach Thanksgiving ein Auto gemietet und waren gen Sueden aufgebrochen.
 (Am Abend zuvor hatten wir bei Naomi im Studierendenwohnheim on Campus aus Kuehlschrankresten ein Thanksgiving Dinner gebastelt. Irgendwer hat Pappteller auf dem Herd liegen lassen, die irgendwann zu qualmen begannen und den Feueralarm an der Decke ausloessten. 20 Minuten hat es gedauert bis das Piepen aufhoerte, so laut, dass garantiert niemand im Haus ein echtes Feuer verschlafen wuerde, aber auch so dumm konstruiert, dass es keine Moeglichkeit gab das Ding im Falle eines ungefaehrlichen Versehens manuell auszuschalten. Und so standen wir wedelnd und Feuermelder mit Klamotten bedeckend im Raum. Und das Essen war kalt.)
Wir haben in Santa Barbara gestoppt- was seltsam war, weil ich im Dezember schon so lange dort war.
Bei Sonnenuntergang erreichten wir L.A. und stoppten beim Griffith Observatory fuer das Panorama ueber die naechtliche Stadt. Das ist eine prunkvolle Art Deco Sterwarte, die von einem Typen namens Griffith J. Griffith gesponsert wurde. (yes, seine Eltern dachten wohl -hey! Der Name ist so cool, benuzten wir ihn doch gleich zweimal!!)Drinnen gibt es ein Foucaultsches Pendel und eine beeindruckende Ausstellung ueber Astronomie.
Venice Beach ist ein Zirkus. Entlang des Boardwalks kann man fuer 40$ seine medical Marijuana Karte bekommen, was wohl ungefaehr so ablaufen soll. “oh und Kopfschmerzen hast du ja auch, nicht wahr?? Und natuerlich leidest du auch unter Schlaflosigkeit, ganz klar! There you go!” man kann sich Piercings stechen lassen, Eis und Burger essen, Batikklamotten kaufen, mit Beachbikes auf und ab cruisen, mit einer Gitarre am Rand stehen, Musik machen und hoffen entdeckt zu warden und gross raus zu kommen, ohne Shirt posen, alle drei Meter in einem neuen Rythmus wippen, wenn eine Stereoanlage die naechste uebertoent…und am besten macht man alles gleichzeitig und betont laessig.
Hollywood Blv. Hat einen Haufen Sterne. Und sind Symbol fuer eine Stadt, die sich ueber viele Jahrzehnte gefeiert hat dafuer eich und schoen und entertaining zu sein. Wir ahnungslosen sind aber in die falsche Richtung abgebogen, dorthin wo Schuhgeschaefte und Boutiquen fuer Stripper_innen, Smokeshops und schaebbige Fastfood Geschaefte des Walk of Fame saeumen. Das L.A. gibt es auch, und zwar zu Hauf.
Autoblase, Highway, Freeway, Intracity Autobahn und wieder eine andere Ecke demonstriert, was L.A. auch ist. West Hollywood mit Hipstern und Shops, die wie eine konzentrierte Dosis Berlin wirken, das Getty Centre, ein weisses architektonisches Prachtstueck auf dem Berg ueber der Stadt, in dem die Crème der europaeischen pre-20. Jh Kunst ausgestellt ist. Auch L.A. ganz viele L.A’s die ich in der Kuerze der Zeit nicht uebereinander kriege. Die Schnipsel sind nicht recht verbunden, weil die Distanzen dazwischen so abstract bleiben wenn man sie mit dem Auto auf Autobahnen zuruecklegt. Ist das noch eine einzelne Stadt?
Wir waren aus an einem Abend und als wir den letzten Nachtbus zurueck zum Hostel nehmen, kotzt ein Typ auf den Boden. Der Busfahrer stoppt und laesst alle aussteigen, laesst uns mit einem Verweis auf seine Dienstvorschriften und irgendwelche Gesundheit/Risikoverordnungen mitten in der Nacht irgendwo in L.A. an einer Strassenkreuzung stehen. Als wir nach einem Taxi winken haelt ein Auto bei uns an und in dem Auto sitzen Freunde von und aus Santa Cruz. Wir wussten, dass sie auch an diesem Wochenende in die Stadt wollten, aber in dieser absurden Situation  drehen alle total am Rad. Wie absurd ist es sich mitten in der Nacht an einer bedeutungslosen Strassenkreuzung in der bevoelkerungsreichsten Stadt von Amerika zufaellig zu begenen?  Ment to happen. Alles ergibt einen Sinn. Es hatte seinen Grund, dass der Typ im Bus gekotzt hat und dass der Busfahrer uns gerade dort rausgeschmissen hat.
Auf dem Rueckweg nach Hause am Sonntag Abend wird es spaet. Erst aergern wir uns ueber diese unnoetigen Staus, die aus dem Nichts kommen und keinen tieferen Grund haben, dann erzaehlt jeder von seiner ersten Liebe, und die naechsten 150 Meilen verbringen wir damit jedes Lied zu groelen, von dem und der Text circa einfaellt. Um 1 Uhr morgens beige ich vom Highway 101 ab ins naechtliche Santa Cruz, auf dem Beifahrersitz pennt Naomi, auf der Rueckbank schlummern die anderen drei. Autofahren ist schoen.

dies Schmucke Ding beweisst, dass sich die Erde dreht. Kann man auch zu Hause nachbauen.

Nicolas likes the Westcoast

Fuer postapocalyptische: einfach mal das Zentrum einer Finanzmetropole am Feiertag besuchen. Alle Menschen sind weg...

Venice Beach

The Doctor is in. yeah bro'!

Hollywood Blv.


Donnerstag, 22. November 2012

 Happy Thanksgiving Everyone!!
Alle Amerikaner sind am durchdrehen, im Supermarkt finden ringen die Einkaeufer um die letzten Truthaehne im Gefrierfach und Preiselbeersossen im Regal. Fuer die meisten Studierenden hier in Santa Cruz bedeutet das nach Hause zu der Familie zu fahren, sich an diesem Wochenende um die
14 000 Kalorien einzuverleiben und sich mit dem Republikaner waehlenden Onkels ueber Gay Marriage und Reichensteuer zu streiten. Und dankbar ist man natuerlich. Es ist ein bisschen surreal, dass alle so aufgeregt sind und mir dieser Feiertag so gar nichts bedeutet. Ich schreibe gleich mein critical response paper fertig und werde dann schauen, was sich in meinem Kuehlschrank noch so zusammenkratzen laesst; heute abend kochen wir mit ein paar Leuten und basteln ein patchwork Thanksgiving Dinner.

for the spirit:
http://www.youtube.com/watch?v=ZSBq8geuJk0&feature=player_embedded
Ansonsten passiert viel und auch irgendwie nicht viel...Uni haelt uns alle hier ganz gut auf Trap, wobei ich gar nicht erst ueber die Abschlusspruefungen nachdenken moechte, die immer naeher ruecken. Eine Hausarbeit wird richtig gut, aber fuer die anderen Kurze hab ich noch nichtmal ne Idee, was ich schreiben sollte. Das eine research paper ist ueber den Reisefuehrer Lonely Planet. Meine These ist, dass so ein guidebook zwischen Reiseland und Tourist vermittelt und dass es, dadurch, dass es auf imperialistische und colonialistische Logik zurueckgreift, die Locals nur als Dienstleister und Service Providers darstellt, oder als Touristenattraktionen, also als Objekte touristischen Interesses. In einem Guidebook ist immer nur die Rede davin wie freundlich das Personal ist, wie gut oder schlecht der Service, oder wie interessant es ist das Bergvoelkchen XY mit ihren uralten Traditionen und bunten Trachten zu besuchen. Und meine These ist weiter, dass der Lonely Planet, dadurch dass er so viel benutzt und so alternativlos ist, nicht unbetraechtliche Massen an Touristen hierhin oder dorthin lenkt. Und dass das Reiseland unweigerlich darauf reagiert und unter Umstaenden ein Setting herstellt und bereitstellt, dass diese Erwartungen erfuellen kann. Das Buch (was natuerlich nur ein kleiner Teil eines riesigen Netzwerkes an Informationen und Imaginationen ist) fort somit nicht nur Erwartungen ueber eine fremde Kultur, sondern es formt unter Umstaenden auch die Kultur firsthand. (Ihr glaubt gar nicht, wie schwierig es gerade ist auf deutsch zu schhreiben...)
Das ist mein Thema, daran arbeite ich gerade und das ist eigentlich ganz cool soweit. 
Fuer einige Menschen hier in meinem Umfeld ist gerade eine aufreibende Zeit; wie auf Kommando oder wie durch eine einvernehmlichen Termin machen gerade superviele Austauschleute schluss mit ihren Partner_innen daheim/werden schluss gemacht. Das trifft sowohl eine Freundin von mir, die erst gerade eben mit ihrem Freund zusammen war, als auch zwei Freundinnen, die 5 und 6 Jahre lang mit ihren Partnern zusammen gewesen sind. Was is hier los...
Ich schreibe so selten, weil mein Aufennthalt hier in Santa Cruz still und heimlich in Alltag uebergegangen ist. Es fuehlt sich sehr heimisch und normal an hier zu sein und zur Uni zu gehen und Zeit mit meinen neuen Freunden zu verbringen. Manchmal muss ich bewusst kurz anhalten und mir sagen - wow, ich bin gerade in Amerika! Und das ist dann kurz ueberwaeltigend. 
  Es hat so oft auf Reisen geklappt, es hat mit Berlin geklappt, es hat hier geklappt: Innerhalb kuerzester Zeit kann ich an einem Ort ankommen, mich wohl fuehlen, mich zu Hause fuehlen und mich umgeben sehen von einer Schar phantastischer Menschen. Das hat etwas zutiefst Beruhigendes an sich. I can make it anywhere!!
 
Jetzt noch ein klein wenig Popkultur von den Wahlen. Unverhofft fanden wi runs auf der offiziellen Santa Cruz democratic party Wahlparty. War eine Erfahrung. Um 11 Uhr Abends hat Obama dann schliesslich seine Antrittsrede gehalten. Fuer die Ostkueste war das in den fruehen Morgenstunden. Mein Lieblingstweed, der beim Warten in der Fernsehuebertragung eingeblendet wurde: "Mr President. We're very delighted that you won the election, but please hurry up, people got to work tomorrow!"
 
 


Dienstag, 6. November 2012

Halloweenimpressionen

Was am Samstag vor Halloween als harmloses Kuerbisschnizten gedacht war, wurde spontan zu einer handfesten Kostuemparty! Eine Auswahl der Outfits:
Meine Wenigkeit als "lost russian cosmonaut" der Hintergrund: Eine ganz Fabelhafte Verschwoerungstheorie: http://en.wikipedia.org/wiki/Lost_Cosmonauts

Elise als Schweineprinzessin

Nicolas als Neo (aus Matrix)

Emma als Schmetterling



Artur als der Mann ohne Gesicht

Naomi als Milton Friedmann (geistiger Vater des Neoliberalismus- das war ein gruseliges Kostuem)

Kristel als Formel 1 Fahnentrulla, Patrick als Avatar, Katherine als Schlumpf. Ich mag den Farbdialog, der sich durch das Foto zieht.

Thorbjorn und Joel- als "guys with the funny hats"



Austin als Alex (von Clockwork Orange) und Katherine mit Schaedelfrisur.

Halloween hier war krass. Klar, die Kinder ziehen durch die Gegend und sacken Suessigkeiten ein, aber das eigentliche Event ist Halloween Abend auf Pacific Ave. Die ganze lange Hauptstrasse ist eine einzige grosse Kostuemparty, ALLE sind verkleidet und manche Leute legen sich richtig ins Zeug. Es passiert eigentlich nicht viel, man laeuft einfach durch die Gegend, verliert nach und nach alle Freunde in der Menge und guckt sich anderer Leute Kostueme an...

ich wollte das Foto erst schon loeschen, weil es nicht besonders gut gelungen ist. Dann dachte ich...Moment: Neos Ruecken, der Hintern von einem Dinosaurier und ein Hasenmaedchen und ein Typ in einem viel zu kurzen Dirndl...hat doch irgendwie eine gewisse Komik.

und die Polizei ist ueberall. Dabei wirkt die Anwesenheit von Cops weniger beruhigend, als vielmehr bedrohlich. In der Innenstadt wird zu bestimmten Anlaessen schonmal "triple fine zone" eingerichtet, das heisst, dass alle Vergehen dreimal so scharf bestraft werden als an normalen Tagen. Muell liegen lassen, falsch parken, rauchen...mit einer geoeffneten Flasche Alkohol erwischt zu werden kostet an diesem Abend 400$.


Joker vor dem historischen Kino Del Mar

Maxwells Silver Hammer!

ein Bund Moehren!

und die seltsam bizarre Kombination aus traurigen Clowns und pummeligen sexy Power Ranger