Nachdem ich ungefaehr zwei Wochen lang ueber die Uni und ueber dieses Land gemoppert habe, ists jetzt auch langsam gut. Tatsaechlich habe ich einigermassen den Dreh raus, wie mit diesem einfach nur kopfschuetteligen Workload umzugehen ist (Montag bis Freitag Vormittags bis Abends in der Bibliothek vergraben, da sind immerhin immer Leute, die ich kenne und mit denen ich bei Kaffeepausen auch mal ein Sozialleben haben kann. Und ich besuche einen Senior Kurs, der einfach klasse ist.
Darueber hinaus hatte ich bis jetzt fantastische Wochenenden. Es ist immer irgendwas los womit man die Zeit versuessen kann, die man schlechten Gewissens vom Schreibtisch abgekratzt bekommt und die "coolest Kids on the block" erweisen sich ihres Namens wuerdig. Die ueblichen Verdaechtigen, die immer am Start sind sich allesamt oberklasse. Entweder wir treffen uns zu einem come-together bei jemandem zu Hause, treffen uns in einer Bar downtown, zum Volleyball am Strand, zu Hauskonzerte oder Entdeckungstouren. Letzte Woche war ich kurzfristig mit einem Bekannten und dessen Mitbewohner nach San Francisco hochgefahren, um die letzten Stunden des "hardly strictly bluegrass festivals" einzufangen, das jedes Jahr mit fuenf Buehnen umsonst und draussen stattfindet. Wir sind Highway 1 gefahren und dieser Abschnitt zwischen Santa Cruz und SanFran wird oefters unter den schoensten Strassen der Welt gelistet. Fast die ganze Zeit faehrt man unmittelbar an der Kuste entland, immer abwechselnd Straende an denen sich Surfer tummeln und dann wieder Steilklippen. Auf dem Weg lagen bestimmt 10 Bauernhoefe, die jetzt im Herbst kurz vor Halloween Kuerbisse verkaufen. Stellt euch ein Kuerbis-Disneyland vor... Die Feldfruechte liegen sind nicht einfach nur aufgehaeuft oder so; sie sind arrangiert zu Wegen und Labyrinthen, es gibt rieisge Parkplaetze wo all die Kuerbiskunden Familien parken koennen, es gibt Huepfburgen [sic!] und Erfrischungen. Ich war mir ja bewusst, dass Halloween ne grosse Sache hier ist, aber das Kuerbis Kauf so ein Event darstellt, das war mir dann doch neu.
Auf dem Festival trafen wir neben halb Santa Cruz einen Haufen ausgefallener Menschen, viele Banjos und Geigen, eine Patty Smith, die schon alt war, als die Haelfte des gegenwaertigen Publikums noch nicht mal geboren war, und eine Gruppe namens 'The Civil Wars", die man ungefaehr als "Silbermond" in der Western Version beschreiben koennte. Danach assen wir Nudelsuppe und kehrten beglueckt zurueck nach Hause.
Gestern war Konzertreihe beim Campus Trailerpark. So. Aber hallo: Der Trailerpark ist einfach nur S-A-U-C-O-O-L! Mitten im Wald, einige hundert Meter noerdlich des noerdlichsten Uni Gebaeudes, da wo Campus in eigentlich wilden Wald uebergeht, gibt es die Wohnwagensiedlung der UCSC. Dort parken etwa 30 Wohnwagen/Bauwagen/Trailer, in denen Studierende residieren. Stellt euch vor: Dauercamper nur in Hippie. Uebrall haengen Batikgardienen, auf kleinen Terassen vor den Wagen stehen Sofas und Blumentoepfe, ueberall in den Bueschen und Baeumen haengt/steht/liegt abgefahrenes Kunstzeugs und diejenigen, die ihrem kleinen Vorgarten ein bisschen Gemuese abtrotzen, haben einen megahohen Zaun darum gebastelt, damit die Rehe nicht an die Tomaten gehen. Die Bands spielten in einer Ecke, wo der Weg ein bisschen breiter war und sich zu sowas wie einem Dorfplatz oeffnet. Es waren ausnahmslos Studierende dort, bis auf einen tanzenden zahnlosen alten Mann mit einem langen weissen Bart, der in einer Umbaupause ans Mikrophon trat um ein Gedicht vorzutragen. Typen wie er heissen Woodsy. Es gibt wohl mehrere Menschen hier, die einfach alleine in den umliegenden Waeldern wohnen, seltenst allerdings in Haeusern. Jemand hat mir das so erklaert "yeah they live in the forest, I guess he heard the music and came down to dance a little..." Waldschrat.
Um ein bisschen Bewegung zu kriegen und endlich mal annaehernd die Ausmasse des Campus' zu begreifen, bin ich schliesslich heute losgezogen mit einer Bekannten, um die geheimen Pfade und Schluchten der Uni zu erkunden. Wir fanden neben einem dichten Gewirr von Mountain Bike Pfaden: Ein Iglu aus Aesten, geschmueckt mit allerlei Krimskrams wie Windspiele, Buddahfiguren, Plastiktiere, bunte kreuz und quer gespannte Faeden, Traumfaenger, Fahrradteile. Auf einer Baumstammbank im Inneren liegt eine Plastiktuete mit einem Gaestebuch und eine verschliessbare Plastikdose mit Papers, die verkuendet, dass man hier allerherzlich willkommen ist high zu werden. Ein paar Ecken weiter ist eine kleine Tanne als Weihnachtsbaum hergerichtet und wieder woanders gibt es einen Baum, der behaengt ist mit Zetteln, auf denen Leute ihre Wuensche aufgeschrieben haben. Mitten im Wald. Schilder wie bei einem Naturlehrpfad machen dann und wann auf den groesseren Wegen auf besondere Sachen aufmerksam. "Dies ist ein besonders grosser Baum." oder "Diese Lichtung haben die Indianer der Gegend bestaendig durch Brandrodung aufrechterhalten, um hier jagen zu koennen." "Diese Pflanze gehoert nicht hierher, sie waechst eigentlich in Afrika und wahrscheinlich hat jemand seine Zimmerpflanze vor 20 Jahren hier augewildert." Der Wald steckt voller Ueberraschungen. Santa Cruz ist eine Kleinstadt, aber es funktioniert definitv nicht wie eine Kleinstadt.
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