Donnerstag, 27. Dezember 2012

Winter Roadtrip

Froehliche Weihnachten nachtraglich euch allen!! Hoffe ihr hattet geruhsame und schmackhafte Feiertage mit lieben Menschen. Danke allen Lieben Menschen fuer die Nachrichten/Karten/Geschenke/Skypetreffen!!! Mein Weihnachten war geruhsam, war bei Freunden eingeladen (die in der Strandvilla wohnen) und es gab unglaublich viel gutes Essen, famose Gesellschaft und sogar eine Runde Tanz um den Weihnachtsbaum. Gerade komme ich zurueck vom Kino und ich kann allen den neuen Tarantino Film "Django Unchained" nur waermstens ans Herz legen. Der Mann ist verrueckt und brilliant und wer Inglorious Bastards gut fand, dem wird auch dieser Film bestimmt gefallen.

Das erste der drei Quarter ist jetzt schon um. Das war... intensiv. Waehrend der Pruefungswoche und den Tagen davor war die Bibliothek jeden Tag bis drei Uhr nachts geoeffnet und alle waren am durchdrehen und kollabieren. So schlimm wars bei mir nicht, aber Finals week hat mich mit insgesamt fast 40 Seiten Aufsaetzen und Essays ganz gut in Atem gehalten. In Berlin habe ich oft zwei Monate Zeit um an einer 10 seitigen Hausarbeit zu tuefteln und zu feilen. Das erlaubt auf der einen Seite eine ganz andere Intensivitaet der Inhalte, auf der anderen Seite ermoeglicht es auch, dass sich eine Hausarbeit wie ein Ungetuem ansammelt, ich nicht den Anfang finde zu schreiben, es mir im Nacken sitzt wie ein fieser Schatten. Hier muss das Ding in ein paar Tagen fertig sein und so schreibe ich einfach. Schreibhemmungen kann sich hier keiner erlauben, Abgabefristen sind strikt und nicht mal atomare Katastrophen, Amputationen oder Todesfall saemtlicher Familienmitglieder wuerde als Ausrede fuer eine Fristverlaengerung oder verspaetete Abgabe gelten gelassen. Aber dann wars vorbei und ein tutiefst erleichtertes Aufatmen ging durch Santa Cruz' Studierendenschaft. 




And we hit the road!
7 Europaer_innen, ein Auto, 2000 Meilen, 3 MP3 Cd's voll Musik, 9Tage.
dies war unsere Route:
http://goo.gl/maps/QXNfR

Nachdem wir das Highway Gewurschtel in der San Francisco Bay Area hinter uns gelassen haben, nehmen wir Highway 5. Die Strasse fuehrt durch die fruchtbare Ebene und ich sehe zum ersten mal wie dies und das waechst. Wir fahren an Reisfeldern vorbei, an Walnuss- und Haselnussplatagen, Artichoken- und Blaubeerfeldern. Im Norden von Kalifornien beginnen die Berge und am Mount Shasta treffen wir auf ersten Schnee. Bislang fiel es schwer unter Palmen und relativ milden Temperaturen in weihnachtliche Stimmung zu kommen, aber die Kaelte erinnert uns daran, dass eigentlich Dezember ist.




v.l.n.r.: Nicolas, Lucie, Markus, Artur, Joel. der siebte im Bunde ist Nils, der zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme damit beschaeftigt war seinen Namen in den Schnee zu pinkeln.



Sonnenaufgang an unserem zweiten Morgen ueber dem Pool des Motels in Ashland, Oregon
Waehrend der Reise schliefen wir entweder in Hostels oder Motels (und alle Motels sind wirklich haargenau so geschnitten, moebliert und so atmospherisch wie in saemtlichen Hollywoodstreifen angedeutet wird---it's real!)
Nicolas beim Testen der Sprungtauglichkeit unserer Betten im Motel in Coos Bay.


Unsere erste gute Tat in Oregon war beim naechstbesten Wallmart zu stoppen und uns mit Muetze/Schal/Handschuhen und langen Unterhosen auszustatten.

Beertasting ist zu einem unserer Roten Faeden dieses Trips geworden: In Nordkalifornien und ebenso in Oregon und Washington gibt es unzaehlige klitzekleine Brauerein, die im hauseigenen Pub ihr Bier ausschenken. In diesen "Microbreweries" kann man ind er Regel ein Probiertablett ("Sample Tray") bestellen, was aus kleinen Kostproben all der Biere besteht, die vom Fass angeboten werden. Insgesamt 8 Brauereien haben wir geschafft, haben Bier probiert, das nach Zimt und Muskatnuss schmeckt, nach Jaegermeister, Schokolade, Cherry, Blumen, Hustensaft oder Zitronen. Biere mit Namen wie - White Elephant, Brutal IPA, Mogul Madness, Yellow Snow oder Milk and Honey Ale.

Portland- laesst sich zusammenfassen als die Hauptstadt von oekologischer Nachhaltigkeit, Hausbrauereien, Rosenzucht, Stripclubs und Hipstern. Wir finden ein ueberschaubares Downtown vor, einen Fluss mit diversen Bruecken, die tollsten Vintage Laeden, die ich je betreten habe und den groessten unabhaengigen Buchladen der USA. Powell's Books nimmt drei Etagen und einen ganzen Haeuserblock in Anspruch und verteilt Lageplaene am Eingang, damit man nicht verloren geht. Da es fast ununterbrochen geschuettet hat, haben wir so einige Stunden da drin verbracht und uns in einer Stadt aus Buechern verlaufen. 


Stimmung ist gut und erstaunlich easy und friedfertig angesichts der Herausforderung 7 Menschen gleichzeitig gleucklich zu machen. Das hatte ich mir schwieriger vorgestellt, aber es ging ueberraschend einfach uns alle unter einen Hut zu bringen. Nur der Regen zerrte etwas an den Nerven.










 



worst picnic ever


Seattle empfaengt uns etwas freundlicher. Artur, der die Unterkunft fuer diese Etappe organisieren sollte, hatte die Beschreibung des Hostels nicht richtig gelesen, und so wohnten wir 20 Meilen ausserhalb un Flughafennaehe in einem Hostel, das in einem ganz normalen Haus in einer Wohngegend eingerichtet war. Das war sehr seltsam, denn das Haus wirkte nicht nur wie ein privates Familienheim, sondern war auch eins. Die Familie hatte im Grunde nur eine kleine Rezeption neben der Tuer eingerichtet, ein Bad fuer die Gaeste geraeumt und zwei Zimmer mit je 6 Hochbetten ausgestattet. Ueberall hingen Fotos von den Enkelkindern und ein geschmueckter Tannenbaum steht im Wohnzimmer, als letzte Bastion eines normalen Familienlebens in einem Haus, das sich diese Menschen mit einem dutzend staendig wechselnder Fremder teilt.

Downtown Seattle ist super interessant. Die Stadt liegt an einem Hang am Ufer des weiten Bays. In der Ferne glitzern die Schneebedeckten Berge wie eine Fototapete. Als die Stadt angelegt wurde um ein Saegewerk herum, war die steile Hanglage gerade richtig, weil die Baumstaemme nur den Huegel heruntergerollt werden mussten, heute wirkt die terrassenartige Situation seltsam, innerhalb eines Haeuserblocks macht der Anstieg manchmal mehrere Haeuseretagen aus. Weil die unteren Strassenblocks oefter ueberfluteten und das Abwasser aus der Kanalisation wieder zurueckgedrueckt wurde (iihh), beschloss man nach dem letzten grossen Feuer Ende 19. Jh einige Strassenzuege aufzuschuetten um etwa 3 oder 4 Meter. Das hatte zur Folge, dass die Strassenfront einiger alter Haeuser ploetzlich unterirdisch lagen und die Fenster der ersten Etage zum neuen Erdgeschoss wurden. Man legte Zugaenge und unterirdische Fussgaengerwege an, damit die alten Geschaefte weiterhin zugaenglich blieben. Ist das nicht verrueckt?


Downtown ist eine Patchworkdecke aus modernen Hochhaeusern, Parkhaeusern, alten Backsteinfabriken und Haeusern aus der Zeit der Goldgreaber. Downtown und die Uferpromenade wird getrennt von einer vielspurigen, zweigeschossigen Ungeheuer von einer Hochstrasse, die sich wie ein Betonwurm durch das halbwegs historische Viertel zieht. In den 70er Jahren hielt man das wohl fuer eine gute Idee so ein Ding in Erdbebenland zu bauen. In vielen Staedten sind Heerscharen solcher verknoteten Strassenbruecken, gebaut aus der Not heraus die Flut an Autos zu haendeln in Staedten, die zur Zeit ihrer Erbauung nicht ahnten, was fuer eine Blechlawiene auf sie zukommen wuerde. Und man muss sagen: es klappt. Autofahren in Amerika und selbst in den grossen Staedten ist so unglaublich einfach, schnell und stressfrei.
Parken in Seattle. Dieser Parkautomat funktioniert so: Man guckt, welche Nummer die Parklucke hat und stopft dann genug Geldscheine fuer den entsprechenden Betrag in den Schlitz des Kaestchens mit der richtigen Nummer. Soooo 20th century...

eines der Wahrzeichen von Seattle und wie so viele Wahrzeichen ein Ueberbleibsel von einer Weltausstellung: The SpaceNeedle. Davor: EMP Museum fuer Musik und Popkultur, denn Seattle ist der Heimatort von Jimi Hendrix, Nirvana, Pearl Jam und vielen weiteren Rockgroessen.

 
Die Stadt wurde hart getroffen von der Depression, erlebte aber einen jaehen Aufschwung, als Gold in Alaska gefunden wurde. Gluecksjaeger von ueberall her stoppten in Seattle um sich auszuruesten fuer die Reise in den Norden. Die wenigsten Goldgraeber wurden reich, die Haendler, die ihnen Lebensmittel, werkzeug und Ausruestung verkauften schon eher. 

Unsere Route zurueck richtung Sueden erweist sich als gute Wahl. Statt des schnellen Highways inland tueddeln wir gemaechlich Highway 101 entlang, an Straenden und dramatischen Kuestenabschnitten vorbei,an Maerchenhaften Creeks entlang, durch Redwood National Park hindurch, durch die "Avenue of the Giants" mit seinen gigantischen alten Baeumen und durch verschlafene kleine Staedte, an denen sich das Leben entlang des Highways abspielt, bevor sich die Orte dahinter in suburban Haeusern verlieren. Hauptindustrie: Tourismus und Verkauf von Holzskulpturen entlang der Strasse. Verspuere den Drang auch mal etwas mit einer Kettensaege zu schnizten. Diese Strasse verdient es wahrlich als eine der schoensten Routen der Welt gelistet zu werden. Atemberaubend schoen.























Sonntag, 2. Dezember 2012



Ich war in Los Angeles. Stadt der Engel. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen es nicht zu moegen seit ich einen Text fuer die Uni gelesen hab, in der L.A. als Beispiel fuer die unendliche Stadt angefuehrt wurde und seit mein Flugzeug letzten Dezember gute 10 Minuten ueber der Stadt geflogen ist und die Lichter kein Ende nahmen. Aber sieh da, es war cool. Und von einem Aussichtspunkt in Hollywood aus auch gar nicht mal so unendlich. Jede Menge Namen und Adressen wurden da mit Kontext gefuellt. Malibu, Venice Beach, Hollywood Blv. Mit dem Walk of Fame, Beverly Hills, Santa Monica, Sunset Blv….Been there, done that. Die Orte sind die Spotlights auf der Karte, verbunden jeweils durch eine Reise in einer Metallkugel, die einen vom Rest der Stadt abschrimt. Ohne Auto geht in L.A. mal gar nichts. Mitten zwischen den Hochhaeusern im financial district wird der Buegersteig neben der dreispurigen Strasse langsam immer schmaler und finsterer, wird irgendwann zu einem fussbreiten Streifen und hoert dann ohne Warnung ganz auf. Hier laeuft man nicht. Carcity. Nils, Lisa, Naomi, Nicolas und ich hatten Freitag nach Thanksgiving ein Auto gemietet und waren gen Sueden aufgebrochen.
 (Am Abend zuvor hatten wir bei Naomi im Studierendenwohnheim on Campus aus Kuehlschrankresten ein Thanksgiving Dinner gebastelt. Irgendwer hat Pappteller auf dem Herd liegen lassen, die irgendwann zu qualmen begannen und den Feueralarm an der Decke ausloessten. 20 Minuten hat es gedauert bis das Piepen aufhoerte, so laut, dass garantiert niemand im Haus ein echtes Feuer verschlafen wuerde, aber auch so dumm konstruiert, dass es keine Moeglichkeit gab das Ding im Falle eines ungefaehrlichen Versehens manuell auszuschalten. Und so standen wir wedelnd und Feuermelder mit Klamotten bedeckend im Raum. Und das Essen war kalt.)
Wir haben in Santa Barbara gestoppt- was seltsam war, weil ich im Dezember schon so lange dort war.
Bei Sonnenuntergang erreichten wir L.A. und stoppten beim Griffith Observatory fuer das Panorama ueber die naechtliche Stadt. Das ist eine prunkvolle Art Deco Sterwarte, die von einem Typen namens Griffith J. Griffith gesponsert wurde. (yes, seine Eltern dachten wohl -hey! Der Name ist so cool, benuzten wir ihn doch gleich zweimal!!)Drinnen gibt es ein Foucaultsches Pendel und eine beeindruckende Ausstellung ueber Astronomie.
Venice Beach ist ein Zirkus. Entlang des Boardwalks kann man fuer 40$ seine medical Marijuana Karte bekommen, was wohl ungefaehr so ablaufen soll. “oh und Kopfschmerzen hast du ja auch, nicht wahr?? Und natuerlich leidest du auch unter Schlaflosigkeit, ganz klar! There you go!” man kann sich Piercings stechen lassen, Eis und Burger essen, Batikklamotten kaufen, mit Beachbikes auf und ab cruisen, mit einer Gitarre am Rand stehen, Musik machen und hoffen entdeckt zu warden und gross raus zu kommen, ohne Shirt posen, alle drei Meter in einem neuen Rythmus wippen, wenn eine Stereoanlage die naechste uebertoent…und am besten macht man alles gleichzeitig und betont laessig.
Hollywood Blv. Hat einen Haufen Sterne. Und sind Symbol fuer eine Stadt, die sich ueber viele Jahrzehnte gefeiert hat dafuer eich und schoen und entertaining zu sein. Wir ahnungslosen sind aber in die falsche Richtung abgebogen, dorthin wo Schuhgeschaefte und Boutiquen fuer Stripper_innen, Smokeshops und schaebbige Fastfood Geschaefte des Walk of Fame saeumen. Das L.A. gibt es auch, und zwar zu Hauf.
Autoblase, Highway, Freeway, Intracity Autobahn und wieder eine andere Ecke demonstriert, was L.A. auch ist. West Hollywood mit Hipstern und Shops, die wie eine konzentrierte Dosis Berlin wirken, das Getty Centre, ein weisses architektonisches Prachtstueck auf dem Berg ueber der Stadt, in dem die Crème der europaeischen pre-20. Jh Kunst ausgestellt ist. Auch L.A. ganz viele L.A’s die ich in der Kuerze der Zeit nicht uebereinander kriege. Die Schnipsel sind nicht recht verbunden, weil die Distanzen dazwischen so abstract bleiben wenn man sie mit dem Auto auf Autobahnen zuruecklegt. Ist das noch eine einzelne Stadt?
Wir waren aus an einem Abend und als wir den letzten Nachtbus zurueck zum Hostel nehmen, kotzt ein Typ auf den Boden. Der Busfahrer stoppt und laesst alle aussteigen, laesst uns mit einem Verweis auf seine Dienstvorschriften und irgendwelche Gesundheit/Risikoverordnungen mitten in der Nacht irgendwo in L.A. an einer Strassenkreuzung stehen. Als wir nach einem Taxi winken haelt ein Auto bei uns an und in dem Auto sitzen Freunde von und aus Santa Cruz. Wir wussten, dass sie auch an diesem Wochenende in die Stadt wollten, aber in dieser absurden Situation  drehen alle total am Rad. Wie absurd ist es sich mitten in der Nacht an einer bedeutungslosen Strassenkreuzung in der bevoelkerungsreichsten Stadt von Amerika zufaellig zu begenen?  Ment to happen. Alles ergibt einen Sinn. Es hatte seinen Grund, dass der Typ im Bus gekotzt hat und dass der Busfahrer uns gerade dort rausgeschmissen hat.
Auf dem Rueckweg nach Hause am Sonntag Abend wird es spaet. Erst aergern wir uns ueber diese unnoetigen Staus, die aus dem Nichts kommen und keinen tieferen Grund haben, dann erzaehlt jeder von seiner ersten Liebe, und die naechsten 150 Meilen verbringen wir damit jedes Lied zu groelen, von dem und der Text circa einfaellt. Um 1 Uhr morgens beige ich vom Highway 101 ab ins naechtliche Santa Cruz, auf dem Beifahrersitz pennt Naomi, auf der Rueckbank schlummern die anderen drei. Autofahren ist schoen.

dies Schmucke Ding beweisst, dass sich die Erde dreht. Kann man auch zu Hause nachbauen.

Nicolas likes the Westcoast

Fuer postapocalyptische: einfach mal das Zentrum einer Finanzmetropole am Feiertag besuchen. Alle Menschen sind weg...

Venice Beach

The Doctor is in. yeah bro'!

Hollywood Blv.