Ich war in Los Angeles. Stadt der Engel. Eigentlich hatte
ich mir vorgenommen es nicht zu moegen seit ich einen Text fuer die Uni gelesen
hab, in der L.A. als Beispiel fuer die unendliche Stadt angefuehrt wurde und
seit mein Flugzeug letzten Dezember gute 10 Minuten ueber der Stadt geflogen
ist und die Lichter kein Ende nahmen. Aber sieh da, es war cool. Und von einem
Aussichtspunkt in Hollywood aus auch gar nicht mal so unendlich. Jede Menge
Namen und Adressen wurden da mit Kontext gefuellt. Malibu, Venice Beach,
Hollywood Blv. Mit dem Walk of Fame, Beverly Hills, Santa Monica, Sunset Blv….Been
there, done that. Die Orte sind die Spotlights auf der Karte, verbunden jeweils
durch eine Reise in einer Metallkugel, die einen vom Rest der Stadt abschrimt.
Ohne Auto geht in L.A. mal gar nichts. Mitten zwischen den Hochhaeusern im
financial district wird der Buegersteig neben der dreispurigen Strasse langsam
immer schmaler und finsterer, wird irgendwann zu einem fussbreiten Streifen und
hoert dann ohne Warnung ganz auf. Hier laeuft man nicht. Carcity. Nils, Lisa,
Naomi, Nicolas und ich hatten Freitag nach Thanksgiving ein Auto gemietet und
waren gen Sueden aufgebrochen.
(Am Abend zuvor
hatten wir bei Naomi im Studierendenwohnheim on Campus aus Kuehlschrankresten
ein Thanksgiving Dinner gebastelt. Irgendwer hat Pappteller auf dem Herd liegen
lassen, die irgendwann zu qualmen begannen und den Feueralarm an der Decke
ausloessten. 20 Minuten hat es gedauert bis das Piepen aufhoerte, so laut, dass
garantiert niemand im Haus ein echtes Feuer verschlafen wuerde, aber auch so
dumm konstruiert, dass es keine Moeglichkeit gab das Ding im Falle eines ungefaehrlichen
Versehens manuell auszuschalten. Und so standen wir wedelnd und Feuermelder mit
Klamotten bedeckend im Raum. Und das Essen war kalt.)
Wir haben in Santa Barbara gestoppt- was seltsam war, weil
ich im Dezember schon so lange dort war.
Bei Sonnenuntergang erreichten wir L.A. und stoppten beim
Griffith Observatory fuer das Panorama ueber die naechtliche Stadt. Das ist eine
prunkvolle Art Deco Sterwarte, die von einem Typen namens Griffith J. Griffith gesponsert
wurde. (yes, seine Eltern dachten wohl -hey! Der Name ist so cool, benuzten wir
ihn doch gleich zweimal!!)Drinnen gibt es ein Foucaultsches Pendel und eine
beeindruckende Ausstellung ueber Astronomie.
Venice Beach ist ein Zirkus. Entlang des Boardwalks kann man
fuer 40$ seine medical Marijuana Karte bekommen, was wohl ungefaehr so ablaufen
soll. “oh und Kopfschmerzen hast du ja auch, nicht wahr?? Und natuerlich
leidest du auch unter Schlaflosigkeit, ganz klar! There you go!” man kann sich
Piercings stechen lassen, Eis und Burger essen, Batikklamotten kaufen, mit
Beachbikes auf und ab cruisen, mit einer Gitarre am Rand stehen, Musik machen
und hoffen entdeckt zu warden und gross raus zu kommen, ohne Shirt posen, alle
drei Meter in einem neuen Rythmus wippen, wenn eine Stereoanlage die naechste
uebertoent…und am besten macht man alles gleichzeitig und betont laessig.
Hollywood Blv. Hat einen Haufen Sterne. Und sind Symbol fuer
eine Stadt, die sich ueber viele Jahrzehnte gefeiert hat dafuer eich und schoen
und entertaining zu sein. Wir ahnungslosen sind aber in die falsche Richtung
abgebogen, dorthin wo Schuhgeschaefte und Boutiquen fuer Stripper_innen,
Smokeshops und schaebbige Fastfood Geschaefte des Walk of Fame saeumen. Das
L.A. gibt es auch, und zwar zu Hauf.
Autoblase, Highway, Freeway, Intracity Autobahn und wieder
eine andere Ecke demonstriert, was L.A. auch ist. West Hollywood mit Hipstern
und Shops, die wie eine konzentrierte Dosis Berlin wirken, das Getty Centre,
ein weisses architektonisches Prachtstueck auf dem Berg ueber der Stadt, in dem
die Crème der europaeischen pre-20. Jh Kunst ausgestellt ist. Auch L.A. ganz
viele L.A’s die ich in der Kuerze der Zeit nicht uebereinander kriege. Die
Schnipsel sind nicht recht verbunden, weil die Distanzen dazwischen so abstract
bleiben wenn man sie mit dem Auto auf Autobahnen zuruecklegt. Ist das noch eine
einzelne Stadt?
Wir waren aus an einem Abend und als wir den letzten
Nachtbus zurueck zum Hostel nehmen, kotzt ein Typ auf den Boden. Der Busfahrer
stoppt und laesst alle aussteigen, laesst uns mit einem Verweis auf seine
Dienstvorschriften und irgendwelche Gesundheit/Risikoverordnungen mitten in der
Nacht irgendwo in L.A. an einer Strassenkreuzung stehen. Als wir nach einem
Taxi winken haelt ein Auto bei uns an und in dem Auto sitzen Freunde von und
aus Santa Cruz. Wir wussten, dass sie auch an diesem Wochenende in die Stadt
wollten, aber in dieser absurden Situation drehen alle total am Rad. Wie absurd ist es
sich mitten in der Nacht an einer bedeutungslosen Strassenkreuzung in der
bevoelkerungsreichsten Stadt von Amerika zufaellig zu begenen? Ment to happen. Alles ergibt einen Sinn. Es
hatte seinen Grund, dass der Typ im Bus gekotzt hat und dass der Busfahrer uns
gerade dort rausgeschmissen hat.
Auf dem Rueckweg nach Hause am Sonntag Abend wird es spaet.
Erst aergern wir uns ueber diese unnoetigen Staus, die aus dem Nichts kommen
und keinen tieferen Grund haben, dann erzaehlt jeder von seiner ersten Liebe,
und die naechsten 150 Meilen verbringen wir damit jedes Lied zu groelen, von
dem und der Text circa einfaellt. Um 1 Uhr morgens beige ich vom Highway 101 ab
ins naechtliche Santa Cruz, auf dem Beifahrersitz pennt Naomi, auf der
Rueckbank schlummern die anderen drei. Autofahren ist schoen.
| dies Schmucke Ding beweisst, dass sich die Erde dreht. Kann man auch zu Hause nachbauen. |
| Nicolas likes the Westcoast |
| Fuer postapocalyptische: einfach mal das Zentrum einer Finanzmetropole am Feiertag besuchen. Alle Menschen sind weg... |
| Venice Beach |
| The Doctor is in. yeah bro'! |
| Hollywood Blv. |
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