Donnerstag, 22. November 2012

 Happy Thanksgiving Everyone!!
Alle Amerikaner sind am durchdrehen, im Supermarkt finden ringen die Einkaeufer um die letzten Truthaehne im Gefrierfach und Preiselbeersossen im Regal. Fuer die meisten Studierenden hier in Santa Cruz bedeutet das nach Hause zu der Familie zu fahren, sich an diesem Wochenende um die
14 000 Kalorien einzuverleiben und sich mit dem Republikaner waehlenden Onkels ueber Gay Marriage und Reichensteuer zu streiten. Und dankbar ist man natuerlich. Es ist ein bisschen surreal, dass alle so aufgeregt sind und mir dieser Feiertag so gar nichts bedeutet. Ich schreibe gleich mein critical response paper fertig und werde dann schauen, was sich in meinem Kuehlschrank noch so zusammenkratzen laesst; heute abend kochen wir mit ein paar Leuten und basteln ein patchwork Thanksgiving Dinner.

for the spirit:
http://www.youtube.com/watch?v=ZSBq8geuJk0&feature=player_embedded
Ansonsten passiert viel und auch irgendwie nicht viel...Uni haelt uns alle hier ganz gut auf Trap, wobei ich gar nicht erst ueber die Abschlusspruefungen nachdenken moechte, die immer naeher ruecken. Eine Hausarbeit wird richtig gut, aber fuer die anderen Kurze hab ich noch nichtmal ne Idee, was ich schreiben sollte. Das eine research paper ist ueber den Reisefuehrer Lonely Planet. Meine These ist, dass so ein guidebook zwischen Reiseland und Tourist vermittelt und dass es, dadurch, dass es auf imperialistische und colonialistische Logik zurueckgreift, die Locals nur als Dienstleister und Service Providers darstellt, oder als Touristenattraktionen, also als Objekte touristischen Interesses. In einem Guidebook ist immer nur die Rede davin wie freundlich das Personal ist, wie gut oder schlecht der Service, oder wie interessant es ist das Bergvoelkchen XY mit ihren uralten Traditionen und bunten Trachten zu besuchen. Und meine These ist weiter, dass der Lonely Planet, dadurch dass er so viel benutzt und so alternativlos ist, nicht unbetraechtliche Massen an Touristen hierhin oder dorthin lenkt. Und dass das Reiseland unweigerlich darauf reagiert und unter Umstaenden ein Setting herstellt und bereitstellt, dass diese Erwartungen erfuellen kann. Das Buch (was natuerlich nur ein kleiner Teil eines riesigen Netzwerkes an Informationen und Imaginationen ist) fort somit nicht nur Erwartungen ueber eine fremde Kultur, sondern es formt unter Umstaenden auch die Kultur firsthand. (Ihr glaubt gar nicht, wie schwierig es gerade ist auf deutsch zu schhreiben...)
Das ist mein Thema, daran arbeite ich gerade und das ist eigentlich ganz cool soweit. 
Fuer einige Menschen hier in meinem Umfeld ist gerade eine aufreibende Zeit; wie auf Kommando oder wie durch eine einvernehmlichen Termin machen gerade superviele Austauschleute schluss mit ihren Partner_innen daheim/werden schluss gemacht. Das trifft sowohl eine Freundin von mir, die erst gerade eben mit ihrem Freund zusammen war, als auch zwei Freundinnen, die 5 und 6 Jahre lang mit ihren Partnern zusammen gewesen sind. Was is hier los...
Ich schreibe so selten, weil mein Aufennthalt hier in Santa Cruz still und heimlich in Alltag uebergegangen ist. Es fuehlt sich sehr heimisch und normal an hier zu sein und zur Uni zu gehen und Zeit mit meinen neuen Freunden zu verbringen. Manchmal muss ich bewusst kurz anhalten und mir sagen - wow, ich bin gerade in Amerika! Und das ist dann kurz ueberwaeltigend. 
  Es hat so oft auf Reisen geklappt, es hat mit Berlin geklappt, es hat hier geklappt: Innerhalb kuerzester Zeit kann ich an einem Ort ankommen, mich wohl fuehlen, mich zu Hause fuehlen und mich umgeben sehen von einer Schar phantastischer Menschen. Das hat etwas zutiefst Beruhigendes an sich. I can make it anywhere!!
 
Jetzt noch ein klein wenig Popkultur von den Wahlen. Unverhofft fanden wi runs auf der offiziellen Santa Cruz democratic party Wahlparty. War eine Erfahrung. Um 11 Uhr Abends hat Obama dann schliesslich seine Antrittsrede gehalten. Fuer die Ostkueste war das in den fruehen Morgenstunden. Mein Lieblingstweed, der beim Warten in der Fernsehuebertragung eingeblendet wurde: "Mr President. We're very delighted that you won the election, but please hurry up, people got to work tomorrow!"
 
 


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