Santa Cruz Impressionen:
Die ganze Woche schon durchstreife ich das Städtchen, erst zu Fuß, seit zwei Tagen aber bereits mit meinem neuen Fahrrad. Es parkte am Straßenrand und hatte ein Schild angeklebt "bike for sale- 50$ - und eine Telefonnummer" also rief ich an und war knappe 15 Minuten später stolze Besitzerin eines uralten sehr hippen grassgrünen Rennrades. Ich fragte Leute nach dem nächsten Fahhradladen, wo ich ein Schloss kaufen wollte, um meinen neuen Besitz zu sichern und hätte kaum mehr Glück haben können, als mich jemand zur "Bike Church" schickte. Dabei handelt es sich nämlich nicht nur um einen Laden für Ersatzteilen und so Krimskrams wie Schlösser, sondern auch um eine do-it-yourself-Werkstatt, in der man gegen Spende an seinem Rad rumschrauben kann. Ich hatte eigentlich vor nur den Sattel höher zu stellen, aber hatte sofort eine hilfreiche und sehr enthusiastische kleine Frau an meiner Seite. Rita ist dort Volunteer, versteht von dieser ganzen Bike-Angelegenheit wohl viel und nahm mein klappriges Rad als Herrausforderung und unter ihre Fittiche. Unter ihrer Anleitung schraubte ich gut 2 Stunden begeistert an dem Rad herum: Gangschlatungen ölte, Ketten verlängerte und weiß der Geier was noch alles. Es war etwas zwischen Detektivarbeit und Chirurgie: "Oh da klappert noch was...lass uns mal die Schraube hier lösen und gucken, ob die Feder dort noch gespannt ist..neiin, dann wird es vielleicht ein verhärtetes Kabel sein...ein bisschen Öl..." Am Sonntag ist "womens day" in der Bike Church, dann erneuern wir die Reifen und die Bremsklötzchen :) Es fährt sich ganz famos bisher, obgleich sich mein Hintern und meine Muskeln an diese doch sehr andere ief gebeugte Fahrposition erst noch gewöhnen müssen. Aber es ist unglaublich schnell und und mir gefällt es sehr hier durch die Gegend zu flitzen.
Einige km Küste sind ebenfalls bereits erkundet. Es gibt den Boardwalk Strand, den Strand neben dem Yachthafen und in die andere Richtung viele km von steilen Kliffs und winzigen steinigen Buchten. Unter dem langen Pier, der vom Boardwalk ins Wasser reicht ruhen sich Seelöwen auf den dicken Querstreben aus. Über eine Treppe kann man bis auf Wasserlevel runtersteigen und beobachten, wie diese fetten Riesen sich aus dem Wasser auf die Balken hiefen und dort übereinandergeschichtet schlummern. Gemütlich sieht das aus, so Kopf an Popo. Sie sind so fett, dass sie ein bisschen so aussehen wie Gefrierbeutel, die, mit etwas Flüssigem befüllt, irgendwo liegen und von ihrer eigenen Masse gespannt werden. Ich kann das Gebölke dieser riesigen Klöpse bis zu mir nach Hause hören.
Wenn ich nicht gerade wandere oder radfahre, bin ich oft in dem einen Cafe in Downtown. Es ist ein sehr altes Holzhaus mit einer großen Veranda, einer Gartenterasse und einem Inneren, dass wie ein gigantisches Wohnzimmer aussieht. Ein bisschen so, als hätten Hippies einen viktorianischen Herrenclub übernommen. Man kann ganz phantastisch lesen dort und nebenbei Leute beobachten. So langsam erkenne ich ein paar Motive. Ich mache mal ein paar Schubladen auf:
-die Jugend ist unglaublich cool, alle skateboarden, auch oder besonders die Mädels. T-shirts mit einem bestimmten "Santa Cruz" Aufdruck sind sehr in, 90er Jahre und New Age Krams auch. Grüne Haare auch.
-Es gibt für eine so kleine Stadt hammerviele homeless people (falls ich nicht, wie gesagt viele alte Intellektuelle aus versehen mit in den Topf schmeiße. Aber man kann ja auch intellektuell und obdachlos in einem sein...) Viele laufen, laut vor sich hinschimpfend oder murmeld, durch die Gegend, andere aber kommen mit irgendwas Nettem daher: Einer ergötzt mit einem rappeligen Kassettenspieler die Passanten und Cafegäste mit einem klassischen Klavierkonzert, ein anderer verteilt bei Spende kleine Origamikraniche.
-Tiermode: Ein Mädchen trägt einen Haarreifen auf ihrem Kopf, der ihre Dreads ergänzt um ein Paar aus Filz geformte Bockshörner. Eine andere trägt eine Fellmütze mit Ohren und einen flauschigen Schwanz, der an ihren Arsch gepinnt ist- sie ist ein Waschbär. Alles klar.
-Eine Unterhaltung, der ich heute folgen durfte, war besonders phantastisch und vielleicht nicht ganz unrepresentativ: "well, I work as a math teacher in Highschool, but my actual passion is shamanism and spirituality and natures old energy flow. Ya know...that kinda stuff here." Und deutet dabei auf einen Plastikblumentopf mit einem fleischigen Kaktusgewächs, das ein bisschen an ein Hirn erinnert, und welches vor ihm auf dem Cafetischchen steht.
Ich füttere euch mit Stereotypen, das ist ein bisschen fies, aber ihr kriegt einen Eindruck, was für eine Sorte Mensch in diesem Städtchen rumhüpft. Es ist unglaublich komisch manchmal. Klasse
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